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Neue Ergebnisse der Flyschforschung in den nördlichen Kalkalpen

Richter, M.

Kurzfassung

Flysch als orogenes Sediment sowie Molasse als zeitlich unmittelbar danach folgende Ablagerung kommen in allen bedeutenden Orogenen vor (z. B. Hovinserie im Kaledonischen Gebirge Norwegens und Old-red-Molasse, Kulm im Varistischen Gebirge und Molasse des Oberkarbons, Flysch der alpinen Gebirge und tertiäre Molasse). Im westlichen und nördlichen Teil der Alpen ergibt sich heute eine Aufgliederung des Flysches in mehrere Ablagerungsräume, die nicht unbedingt untereinander zusammenhängen und voneinander zeitlich verschiedene Bildungen aufweisen. 1. Die Aufgliederung zeigt zunächst einen helvetischen Flysch, der vom Lutétien bis in das Unteroligozän reicht und dessen größte Mächtigkeit in einer Vortiefe auf der Nordseite der Zentralmassive zur Ablagerung gekommen ist. Seine Schichtfolge umfaßt von unten nach oben Stadschiefer, Taveyannazsandstein und die Altdorfer Sandstein-Dachschiefer-Gruppe. Durch weiteres Nordwandern der Trogachse entwickelt sich im Laufe des Unteroligozäns der Molassetrog. Der helvetische autochthone Flysch ist daher im S das Liegende der Molasse, deren südliche Teile später zusammen mit diesem Flysch von alpinen Decken überfahren werden. 2. Auf der Südseite des helvetischen Sedimentationsraumes schaltet sich ein hoch- oder ultrahelvetischer Flyschtrog zwischen Helvetikum und Penninikum ein. Seine Sedimentation beginnt bereits im höheren Cenoman (Liebensteiner Kalk) und reicht bis mindestens in das Paläozän, in der Westschweiz bis in das Obereozän hinauf. Während im E im Vorarlberg und Allgäu nur Liebensteiner Kalk (Cenoman-Turon), bunte Leimernschichten (Senon-Paläozän) und sie teilweise vertretender Wildflysch (Dan-Paläozän) sowie die Schelpen-Serie vorhanden sind (Liebensteiner Decke), ist weiter im W der Schichtbestand sehr viel größer und umfaßt über den Wildflyschserien noch die Gruppen des Schlieren- und Gurnigelflysch. In den bunten Leimernschichten treten vielfach Gesteine in Wangschichten-Fazies auf, die aber meist jünger als die echten südhelvetischen Wangschichten (Maastrichtien) sind und sich seitlich mit bunten Leimernschichten verzahnen. Der ultrahelvetische Flysch ist eine typisch orogene Ablagerung und vermutlich auf der Nordseite einer wandernden Schwelle sedimentiert worden.