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Helgoland

Bahr

Kurzfassung

Der Felsen von Helgoland gehört zur untersten Triasstufe, dem Buntstandstein. Darunter liegen Tone und Steinsalz des Zechsteins; in den Klippen östlich der Insel stehen Muschelkalk und Kreide an. Im Tertiär wurde eine 5 x 8 km große Scholle dieser Schichten durch Aufwölbung des Zechsteinsalzes gehoben und nach Nordosten fallend schräg gestellt. Die jungtertiäre Nordsee trug die Scholle bis zu einer Brandungsterrasse 50 m über dem jetzigen Meeresspiegel ab. Die heutige Nordsee, die am Ende des Diluviums entstand, griff sie abermals an. Sie trennte den Muschelkalk- und Kreidestock von dem Buntsandsteinfelsen und schuf eine Doppelinsel, die bis in die historische Zeit hinreinreicht. 1711 fiel die Kreideinsel endgültig der See zum Opfer; übrig blieb nur ihre Brandungsterrasse als Klippenfeld und eine in ihrem Sturmlee entstandene Sandanschwemmung, die jetzige Düne. Auch von dem Buntstandstein steht nur noch ein 40 ha großer Rest mit einer Sandanlagerung, dem Unterland; das ist etwa 1/70 der ursprünglichen Scholle. Ursache der schnellen Aufzehrung ist die geringe Widerstandsfähigkeit des Gesteins, das petrographisch ein durch Eisenoxyd rot gefärbter Tonmergel ist. Sie wird noch vermindert durch Verwerfungen, die die Scholle bei der Hebung erfahren hat. Brandung und Verwitterung arbeiten noch heute an der Zerstörung. Vor 50 Jahren hat man deshalb begonnen, die Insel durch Schutzbauten zu sichern. An der Südwestseite deckt eine Mauer den Fuß der Felswand gegen die Brandung und fängt das durch Verwitterung abstürzende Gestein auf. An der Nordostseite hat ein aufgespültes künstliches Unterland die Rolle der Mauer übernommen. Die Insel ist damit gegen die Naturkräfte geschützt. Die Steilwand wird allmählich zu einer begrünten Schutthalde werden und das Naturdenkmal seine ursprüngliche Schönheit verlieren. Doch bleibt kein anderer Weg, um die Insel überhaupt zu erhalten. Das ist aber notwendig, weil Helgoland, im Zentrum der Deutschen Bucht vor den Mündungen der Elbe und der Weser gelegen, ein unentbehrlicher Stützpunkt der Schiffahrt und der Hochseekutterfischerei ist. Der von der Marine von 1908-1916 angelegte Hafen mußte nach 1920 zu 3/4 wieder zerstört werden. Nach 1934 wurde er wieder hergestellt. Dazu richtete die Marine am Unterland an der Nordostseite der Insel einen Bauhafen (Nordosthafen) und auf den Klippen nördlich der Düne einen Flugplatz mit einem weiteren Bauhafen ein. Nach 1947 wurden die Festungsanlagen der Insel gesprengt. Dabei wurde die Südspitze durch zwei 40 m tiefe Sprengtrichter aufgerissen und das Oberland in ein Kraterfeld verwandelt.