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Über einen Besuch der Kulturhöhlen in der Charente und Dordogne

Brandt, K.

Kurzfassung

Bei einer Studienfahrt der Obermeier-Gesellschaft nach Frankreich wurden die berühmten vorgeschichtlichen Fundstätten bei Paris, in der Ile de France, sowie die Bilderhöhlen in der Dordogne und am Fuße der Pyrenäen besucht. In Chelles bei Paris waren in den Fundschichten Frostbodenerscheinungen und gedriftete Steinblöcke zu beobachten. Südlich von Paris, im Sandstein von Fontainebleau wurden von J. BAUDET in sogenannten Einmann-Höhlen einfache Gravierungen entdeckt, welche zum Teil aus dem Jungpaläolithikum stammen und als die nördlichste Höhlenmalerei Europas anzusprechen sind. Ausgrabungen in der mit Wildpferd-Darstellungen geschmückten Höhle von Monthiers (südwestlich Angouleme, Charente) förderten ein reiches Material des Magdalénien zu Tage. In der berühmten Kreidelandschaft der Dordogne haben die vom Fluß ausgewaschenen Hohlkehlen ("abris") des Vézère-Tales bei Les Eyzies, namentlich die Laugerie Haute und Laugerie Basse einen unermeßlichen Schatz an Werkzeugen und Kunstgegenständen des Jungpaläolithikums geliefert. Die erst 1940 entdeckte Höhle von Lascaux bei Montignac zeigt zahlreiche Felsmalereien, darunter die größten bisher bekannten Tierdarstellungen, bis 5 m lange Schwarzzeichnungen vom Ur. Bemerkenswert ist ferner in den tieferen Teilen der Höhle eine Jagdszene, bei welcher die Darstellung eines von einem Wisentbullen getöteten Jägers durch die Zeichnung eines Vogels auf einer Stange ergänzt ist. Vielleicht ist dies die älteste Form der aus dem Altertum bekannten Seelen-Darstellungen. Die Felszeichnungen werden in die Zeit von vor 15 000 bis 20 000 Jahren datiert. Diskussion. SEMMLER: In Anbetracht der Tatsache, daß die Felsmalereien in den Höhlen bei nur sehr dürftiger Beleuchtung ausgeführt werden konnten, entsteht die Frage, wie den damaligen Menschen die leuchtende Farbgebung möglich war. SCHOTT: Wie ist das spannende Buch von Wendt: "Ich suchte Adam" vom wissenschaftlichen Standpunkt aus zu bewerten? HEINE: Bei einem Aufenthalt in Süd-Frankreich wurden dieselben und andere Höhlen besucht, die ganz ähnliche Eindrücke vermittelten. BRANDT: Die Farben wurden von den vorgeschichtlichen Menschen außerhalb der Höhlen bei Tageslicht angerührt, so daß die eindrucksvolle Farbgebung verständlich wird. Das Buch von Wendt ist zweifellos sehr anregend, aber nicht in allen Einzelheiten zutreffend.