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Die Mikrofauna des Ruhrkarbons und ihre praktische Bedeutung für den Bergbau

Fiebig, H.

Kurzfassung

Seit 1947 werden auch im Ruhrkarbon systematisch mikrofaunistische Untersuchungen durchgeführt. Dabei zeigte sich, daß die Mikrofauna vorwiegend in reinen oder schwachsandigen Schiefertonen auftritt. Besonders reich sind die marinen bis marin-brackischen Horizonte. Aber auch in ausgesprochenen nichtmarinen Schichten werden ganz bestimmte Mikrofossilien gefunden. Von den Protozoen wurden im Ruhrkarbon nur Foraminiferen, und zwar ausschließlich Sandschaler-Formen nachgewiesen. Besonders häufig sind die Gattungen Ammodiscus, Glomospira, Glomospirella und Hyperammina. Kürzlich wurde ein Einzelexemplar einer gekammerten Form der Familie Lituolidae gefunden. Aus praktischen Gründen wurden für die Ostracoden 2 Gruppen aufgestellt, in denen die meisten der vorkommenden Ostracoden eingeordnet werden können: die Jonesina- und die Carbonita-Gruppe. Die Ostracoden der Jonesina-Gruppe, die sich rein äußerlich von denen der Carbonita-Gruppe durch einen "Sulcus" unterscheiden, kommen häufig zusammen mit Foraminiferen vor. Daraus ist - wie schon BARTENSTEIN 1949 feststellte - zu schließen, daß es keineswegs Süßwasser-Ostracoden sind. Dagegen werden die Ostracoden der Carbonita-Gruppe meist in nichtmarinen Horizonten beobachtet. Nur selten treten sie auch gemeinsam mit denen der Jonesina-Gruppe auf. Vom oberen Westfal B (Domina-Niveau) ab wurden neuerdings auch im Ruhrgebiet erstmalig Ostracoden der Familie der Beyrichiidae festgestellt. Es handelt sich hierbei um die Gattung Hollinella, die besonders im Aegir-Niveau häufiger ist. Bisher wurde diese Gattung nur im belgischen Karbon (DEMANET 1949) im Aegir- und in dem zwischen Aegir- und Domina-Niveau liegenden Lanklaar-Niveau festgestellt. Bei den meisten Ostracoden sind die Schalen oder Steinkerne verkiest, doch findet man - vor allem bei den nichtmarinen Ostracoden - auch solche mit "kalkiger" Schale, wobei der "Kalk" mineralogisch oft Ankerit sein dürfte (sekundäre Mineralisierung). Vereinzelt treten auch verkieselte Steinkerne auf. Nicht selten sind auch einzelne Schalenabdrücke oder Steinkerne im Schieferton.