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Montangeologische Bearbeitung von Schacht- und Bohrlochaufschlüssen im Ruhrrevier in Bereichen schwieriger Deckgebirgsverhältnisse

Wolansky, D.

Kurzfassung

Die kommenden Aufschlußbohrungen in den nördlichen Reservefeldern des Ruhrkohlenbergbaus werden nicht nur über die Flözführung und Lagerung des Karbons, sondern auch über die Verhältnisse des nach N zunehmend mächtiger und schwieriger werdenden Deckgebirges Aufschluß geben müssen. An Hand der Erfahrungen bei den bisher getätigten Bohrungen beruhen die Schwierigkeiten im nordöstlichen und im nordwestlichen Bezirk auf verschiedenen Ursachen: Im erstgenannten Falle handelt es sich um die Wasser- und Gasführung im "weißen Mergel" des Turons und Cenomans, im zweiten Falle um die Mächtigkeit und Faziesentwicklung des Buntsandsteins im Zusammenhang mit der Bruchschollentektonik des Gebirges. Bei Tiefbohrungen müßten unbedingt Untersuchungen über die Wasserführung im Turon und Cenoman vorgenommen werden, nötigenfalls Wasserteste unter Ausschöpfen der lastenden Dickspülung, die oft einen Wasseraustritt geringerer Stärke unterdrückt; ferner ist auf die Aggressivität der Wässer zu achten, die sich in Schädigung des Betonausbaus von Schächten oder in Auflösung von Wasser zubringenden Klufthohlräumen äußert; ebenso muß man im nordöstlichen Bezirk m Annäherung an die Davert mit Grubengasaustritten rechnen. Gasspülungsmessungen sind daher zu empfehlen. Im äußersten Norden der verliehenen Grubenfelder vermag der "graue Mergelschiefer" an der Basis des Cenomans vielleicht als Wasserstauer den "Essener Grünsand" zu ersetzen. Seine Verbreitung, insbesondere die Südgrenze dieser Faziesausbildung, die heute noch ziemlich unbekannt ist, müßte an Hand von Bohraufschlüssen genauer festgelegt werden. Im Nordwestbezirk macht der wasserführende Buntsandstein dem Bergbau die größten Schwierigkeiten. Da seine Mächtigkeit auf den einzelnen tektonischen Schollen jedoch stark wechselt, andererseits die Lage der begrenzenden Sprünge noch keineswegs eindeutig sicher ist, gilt es, an Hand von geophysikalischen Aufschlußverfahren die relativ günstigste Scholle mit möglichst hochgelegener Karbonatoberkante und geringer Buntsandsteinmächtigkeit aufzufinden. Es gibt derartige Teilschollen, die nicht viel breiter als 1 km sind. Abschließend wurde an einem Schachtschnitt aus dem mittleren Ruhrbezirk im Bereiche wohlbekannten Deckgebirges aufgezeigt, was alles an Schwierigkeiten infolge der Wasserführung im Diluvium und Emscher-Mergel sowie der Grubengas- und Kluftwasserführung im Turon auftreten kann, und wie wichtig es infolgedessen ist, auch das Deckgebirge sorgfältig zu beachten!