Original paper

Zur Tektonik des Ruhrgebietes

Seidel, G.

Kurzfassung

Bekanntlich wird die Faltentektonik des Ruhrkarbons, die im O und N ja durch weitgespannte Mulden mit zwischengelagerten schmalen Sätteln gekennzeichnet ist, nach SW zu mit den durch Herausheben der Falten nach oben kommenden älteren Schichten zunehmend intensiver. Und sie zeigt überdies häufig disharmonische Schichtenlagerung, die besonders aus dem Grenzbereich der Bochumer und Essener Schichten bekannt ist, aber ja auch in den anderen Schichtenstufen des Flözführenden bzw. Flözleeren meist dann zu beobachten ist, wenn sich mächtigere feste Sandgesteine in die Schiefertone einschalten. Unter dem Gesichtspunkt der Stockwerkstektonik betrachtet, kann man das Ruhrkarbon in 3 Stockwerke einteilen, in welchen, insgesamt gesehen, die Faltenlängen zur Teufe abnehmen. Gelegentlich zu beobachtende Umkehrungen dieser Entwicklung beruhen auf dem ungleichen Verhalten der verschiedenen Sedimente gegenüber den verformenden Kräften (s.u.). Im Mittel zählen die Faltenlängen im Oberstockwerk nach Kilometern, im Mittelstockwerk nach Hunderten und Zehnern von Metern und im Unterstockwerk häufig auch nach Zehnern und Einern von Metern. Aufgeschlossen ist das Oberstockwerk z. B. im Gebiet von Hamm, das Mittelstockwerk im Gebiet von Bochum, das Unterstockwerk im SW des Ruhrgebietes bzw. anschließenden Flözleeren. Die stratigraphischen Grenzen der Stockwerke sind nicht horizontbeständig. So liegt die Grenze Oberstockwerk/Mittelstockwerk bei Hamm z. B. erheblich tiefer als bei Bochum. Hinsichtlich der Kleintektonik ist bemerkenswert, daß die Schlechtenausbildung (Schlechten = Klüfte und Kleinstörungen in der Kohle) im oberen Stockwerk von der des mittleren und unteren Stockwerkes deutlich verschieden ist. Im mittleren und unteren Stockwerk trete bankrechte und bankschräge Schlechten nämlich gemeinsam, im oberen Stockwerk, abgesehen von störungsnahen Bereichen, dagegen nur bankrechte Schlechten allein auf. Die Schubweiten der bekannten süd- bzw. nordfallenden großen Wechsel des Ruhrgebietes nehmen vom oberen zum mittleren und unteren Stockwerk fortschreitend ab. So verringert sich z.B. die Schubweite des Sutans von etwa 2000 m im Oberstockwerk bei Hamm auf etwa 800 m im Mittelstockwerk bei Bochum bzw. weiter westlich zum Mittelstockwerk auf etwa 600 m bei Werden, und noch weiter zum Liegenden hin im Unterstockwerk läuft er westlich Kettwig auf mehreren Einzelstörungsflächen ganz aus.