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Neue tektonische Untersuchungen am Westrand des subherzynen Beckens

Hark, H. U.

Kurzfassung

Fein- und klufttektonische Untersuchungen zwischen dem Oberharz und dem Gebiet nördlich Braunschweigs ergaben neben einem ausführlichen Kluftbild wertvolle Anhaltspunkte über den tektonischen Charakter der vorhandenen Einzelstrukturen, zeigten mögliche Zusammenhänge zwischen post- und präsalinarer Tektonik und ließen rein salztektonische Bewegungen erkennen. Die annähernd NW/SE verlaufenden Schmalstrukturen des Dorms (ohne Rieseberg), der Asse und des Harli sind durch überwiegend tangential angreifende Kräfte aufgefaltete Schmalsättel, die ihre heutige, z. T. zerstückelte Form erst nachträglichen salztektonischen Bewegungen verdanken. Auch die nördliche Harzrandstörung ist auf Grund des Kluftbildes eine überpreßte Dislokation. Die Breitsättel des Elms und Fallsteins sind mit ihren Hauptaufwölbungen an SSE streichende Querstrukturen gebunden, die sich klufttektonisch wie auch aus Strukturkarten erkennen lassen. In Verlängerung der Braunschweiger Achse streicht über die Asseburg bis zum westlichen Fallstein die Fallsteiner Queraufwölbung, hier wohl präsalinaren Linien folgend. Östlich parallel folgt von der westlichen Elmkuppe über den Barnstorfer Salzstock zum Nordende des Huy die Reitlinger Querstruktur. Nach Osten folgt weiter der Jerxheimer Quersattel. Gleichstreichende Querelemente lassen sich auch im Harli erkennen. Ähnlich, aber flacher streichende Sättel beschrieb schon G. RICHTER (1934). Die so mit ihren Hauptaufwölbungen an Querstrukturen gebundenen Breitsättel des Elms und des Fallsteins bilden gemischte Strukturen. Während ihre Teilkuppen echte Beulen sind, haben bei ihrer Gesamtgestaltung tangentiale Kräfte mitgewirkt und ihre Südvergenz verursacht. Die westlich vorgelagerten NNE-Strukturen erwiesen sich wiederum als Zerrungsgebilde (linearer Salzaufstieg = Schmalbeule). Die Braunschweiger Achse ist hier nur bedingt einzuordnen, da ihr Streichen mehrfach wechselt. Dagegen muß der Rieseberg, die Südwest gerichtete Fortsetzung des Dorms, als Schmalbeule bezeichnet werden. Die an den Schmalsätteln und Salzstöcken immer wieder auftretenden gesetzmäßigen Lagerungsverhältnisse lehren, daß proportional der Heraushebung quer zur axial höchsten Scheitellage die Sattelflanken stark unterdrückt sind und vielfach von Mulden junger Sedimente überlagert werden. Eine Erklärung dieser Störungen wurde in der Abwanderung des Salzes von den Flanken in den Sattelkern bzw. in die dort ausstreichenden Salzstöcke gesehen. Diese salztektonischen Bewegungen sind seit dem Neokom nachzuweisen; sie setzten aber wahrscheinlich bereits mit der ersten Auffaltung ein, wirkten dann aber lange Zeit nach, da das einmal tektonisch in Bewegung geratene Salz weiterhin der statischen Beanspruchung ausgesetzt blieb.