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Die geotektonische Entwicklung des Apennin-Systems

Behrmann, R. B.

Kurzfassung

Im Ostsaume des variszisch aufgefalteten und von Granit-Intrusiva durchsetzten Tyrrhenischen Kerngebietes der Corsardinischen Masse bildet sich im Permokarbon ein Senkungsfeld aus. In diesem zum Großadriatischen Sedimentationsraum gehörigen Bereich lagern sich mächtige terrestre-fluviatile, vielfach grobklastische bunte Verrucano-Gesteine ab. Im Osten sind dagegen ammonitenreiche pelagische Sedimente verbreitet. Durch weiteres Vordringen des Meeres und Absinken des Sedimentationsraumes wird der Raum der Verrucano-Sedimente in der Trias zum Schelfgebiet mit neritischen Kalken und Riffbildungen, während im Osten von den Südalpen über die westlichen Dinariden, den Südapennin und Zentralsizilien Geosynklinalgesteine mit basischen Vulkaniten vorherrschen. Corsardinien und Calabrien bleiben ablagerungsfreie Hochgebiete. Im Jura kommt es zu einer weiteren Aufgliederung des Großadriatischen Sedimentationsraumes. Die alpine Orthogeosynklinale des Pennins baut sich nach Süden bis in die nördliche Tyrrhenis fort und erweitert sich im Tithon beträchtlich nach Osten. In ihrem ligurischen Anteil finden sich Ophiolith, Radiolarit und Calpionellen-Kalke führende Tonschiefer in einer dem Pennin ähnlichen Fazies, die weiter nach Osten in plastische Tone der Argille Scagliose-Formation übergeht. Diesen liguriden Sedimenten stehen im Jung-Mesozoikum in der adriatischen Parageosynklinale bis zu 150 m mächtige pelagisch-neritische ammonitenreiche Mergel, Kieselkalke und Kieselschiefer der tosko-umbrischen Faziesprovinz gegenüber, die sich von den Südalpen über die Toskana und Umbrien bis nach Mittelsizilien hinzieht. Im Friaul und in der Zone von Leonessa in Ost-Umbrien verzahnen sie sich mit Riffkalken der Peri-Adriatischen Flachwasser-Faziesprovinz, zu welcher die Abruzzen, der Südapennin und die Berge von Palermo in Nordsizilien gehören. Weitspannige epirogene Bewegungen im Mesozoikum sind an Schichtlücken auf der Schwelle des Südapennins und an der Kalabrischen Geantiklinale festzustellen. Austrische orogene Bewegungen mögen lokal im Ostteil des pennino-ligurischen Troges stattgefunden haben. Eine heftige Orogenese führt in der laramischen Phase an der Kreide/Tertiär-Grenze zur Auffaltung eines großen Teiles der pennino-ligurischen Orthogeosynklinale. Die Faltung ist im Kerngebiet mit einer Dynamo-Metamorphose verbunden. Zu jener Zeit ist der Scheitel von Genua als Grenze zwischen westvergenten Alpen und ostvergentem Apennin-System entstanden.