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Struktur und Bild der Allgäuer Alpen

Kraus, E.

Kurzfassung

Veranlaßt und sehr dankenswert ermöglicht durch die Preuß. Bergwerks- und Hütten-A.G. (Chefgeologe Dr. FR. BREYER) liegt eine vierjährige geolog. Neukartierung von 15 Meßtischblättern des Allgäu hinter uns. Durchgeführt wurde sie in enger Arbeitsgemeinschaft mit Prof. Dr. M. RICHTER, sowie mit 14 jüngeren Geologen bzw. Doktoranden. So konnte ein ersterer, neuer Überblick gegeben werden über die Tektonik und das sich hieraus ableitende Reliefbild (bunte Lichtbilder) der Allgäuer Alpen. In deren kalkostalpinem Teil ergab sich manche interessante Teilstruktur sowie der Schluß auf verhältnismäßig geringe Deckenschubweite. Der Bau der Helvetischen Kreide erwies sich als ungleich komplizierter, als das vorher bekannt war. Die meisten Fortschritte erzielte die Flyschkartierung, welche durch die mikropaläontologische Auswertung von weit über 600 Foraminiferen-Mergelproben durch Dr. BETTENSTEDT und Prof. Dr. WICHER, Hannover, sowie Dr. HAGN, München, stratigraphisch zu verfeinern war. Dabei konnte Verfasser auf Blatt Balderschwang als jüngste Flyschglieder der Sigiswanger Decke - offenbar gleichzeitig mit kürzlich von Schweizer Seite veröffentlichten Ergebnissen - die "Hällritzer Schichten" (Campan über dem santonen Piesenkopfkalk; kieselreiche Kalkbänke zwischen Mergel) und die "Bleicherhorn-Schichten" (Maastricht; rhythmische Sandkalk- und Mürbsandstein-Bänke zwischen Mergel) ausscheiden und kartieren. Die unter dem Hauptflyschsandstein normal folgenden Ofterschwanger Schichten (Alb-Cenoman) bestätigten ihre Zugehörigkeit zur Sigiswanger Decke. Die zeitliche Reichweite der einzelnen, hier unterschiedenen Flysch-Fazies kann jetzt noch genauer gefaßt werden. Die kürzlich publizierte Ansicht in unserem Arbeitsgebiet, es gäbe keinen Unterkreideflysch, hat Verfasser durch Publikation der Funde von Orbitolina lenticularis vor über 20 Jahren widerlegt. Über die seitdem erkannten, früheren Irrtümer, notwendigen Ergänzungen und tieferen Einsichten wird eine Veröffentlichung gemeinsam mit MAX RICHTER Auskunft geben. Die neuen Ergebnisse in der Allgäu-Molasse wurden im Vortrag gleichfalls nur gestreift. Hervorzuheben ist auch hier die weitere stratigraphische Klärung, welche durch zahlreiche neue, von Dr. ZÖBELEIN bestimmte Funde von Landschnecken sowie durch die Entdeckung einer sehr bedeutenden Menge kleiner Säugetierreste durch Dr. VOLLMAYR ermöglicht wurde. Unter anderem bestätigte sich das migrative Jüngerwerden der einander von S nach N folgenden Molassemulden-Füllungen.