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Seismische Untersuchungen im nördlichen Grenzbereich der Bayerischen Alpen und ihre geologische Deutung

Reich, H.

Kurzfassung

Durch seismische Untersuchungen, die zum großen Teil durch Bohrungen überprüft sind, und dabei ihre Bestätigung erfahren haben, sind z. T. in alten, bekannten Talstücken, so im Isartal oberhalb der Sylvensteinenge und im Loisachtal oberhalb der Eschenloher Enge, große Eintiefungen gefunden worden, die z. B. im Loisachtal 300 m übersteigen. Z. T. wurden solche Eintiefungen nicht mehr in Verbindung mit den heutigen Tälern gefunden. Eine solche besteht bei Reichersbeuern und Kirchbichl nordöstlich von Bad Tölz, wo diese Hohlformen bis über 250 m in die Molasseoberfläche eingeschnitten sind. Eintiefungen von der gleichen Größe haben die seismischen Untersuchungen der DEA ebenso m Bereich des Rosenheimer Beckens festgestellt. Nach allem, was bisher über die Gestalt dieser Hohlformen bekanntgeworden ist, müssen sie ihre Entstehung im wesentlichen fluviatiler Erusion als der Folge von Hebungen in den Alpen verdanken. In einer späteren Senkungsphase wurden sie mit Schotter-Seetonnen usw. zugeschüttet. Daß vertikale Bewegungen im Alpenvorland (Absinken) heute noch anhalten, wurde durch die jetzt veröffentlichten Feinhöhenmessungen von G. EICHHORN bewiesen. Ein weiteres wichtiges Ergebnis der seismischen Untersuchungen im Alpenvorland war die Feststellung der hohen Geschwindigkeiten longitudinaler Wellen in der Molasse und im Diluvium dieses Bereichs. In der Molasse beginnt mit der Grenze der ungefalteten zur gefalteten Molasse ein starker Anstieg der Schichtgeschwindigkeit, die von 2000 m/s im Alpenvorland auf über 4000 m/s unmittelbar am Alpenrand ansteigt. In einem schmalen Streifen nördlich des Alpenrandes erhöht sich auch im Diluvium die Geschwindigkeit um einen bis dahin noch nicht bekannten Betrag. Sie steigt in den oben angeführten Hohlformen (alten Tälern) im Norden des Gebirgsrandes auf 3000 m/s, während man für solche Ablagerungen normalerweise 1600 m/s erwarten müßte. Die Geschwindigkeitserhöhung in der Molasse wie im Diluvium kann nur durch den Gebirgsdruck des nach Norden sich vorschiebenden Alpenkörpers erklärt werden, also durch tektonische Vorgänge, die auch im Diluvium angehalten haben müssen.