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Neues zur Morphologie permischer Korallengenera

v. Schouppé

Kurzfassung

Untersuchungen von A. v. SCHOUPPÉ und P. STACUL an Hand eines großen Materials permischer Pterocorallia von der Insel Timor (Material von J. WANNER) haben gezeigt, daß die Ansichten bezüglich des Skelettbaues paläozoischer Korallen, die übrigens im wesentlichen noch auf KOCHS (1896) Untersuchungen an rezenten Formen zurückgehen, in einigen prinzipiellen Punkten nicht den Tatsachen entsprechen. So wurden z. B. die Septen als alleinige Ausscheidung der Fußscheibe betrachtet. Es konnte von uns jedoch nachgewiesen werden, daß die Septen aus Ausscheidungen nicht nur der Fußscheibe, sondern auch des seitlichen Palliums gebildet werden. Dafür sprechen sowohl die allgemeine Bauform und Wachstumsrichtung der Septen, als aber auch vor allem die Struktur ihrer Medianstreifen (im ersteren Fall müßten sich kuppelförmig aufgewölbte Septen ergeben), die deutlich eine Wachstumsrichtung von unten außen nach innen oben erkennen lassen. Auch zeigt sich weiterhin eine wesentlich engere Verbindung von Septum und Wand, die bisher als getrennte Ausscheidungselemente betrachtet wurden. Das in einer eigenen Ringfalte des Palliums sich selbständig bildende und von KOCH als echte Theca bezeichnete Skelettelement (Wand) tritt bei den von uns untersuchten Formen (und scheinbar auch allgemein bei den Pterocorallia) nirgends auf. Die Wand stellt hier kein zusammenhängendes Gebilde dar, sondern besteht aus einzelnen Stücken zwischen den Septen, die im Laufe der Ontogenie z. T. sich später auch als Nebensepten auswachsen können. Septen und Wand sind ineinander übergreifende Ausscheidungen, je nachdem, ob das Pallium in tangentialer Lage verbleibt oder sich zu Septentaschen einschlägt. Übergänge lassen sich an vielen Stellen feststellen. Diese Ansicht beweist auch der Verlauf der Kalkfasern in Wand und Septen, wo sich oftmals ein allmähliches Umschwenken von der thekalen in die septale Richtung ergibt. Die mitunter auftretende scheinbare Trennungslinie zwischen Wand und Septumsockel erklärt sich lediglich als die Folge einer sich plötzlich einbiegenden Septentasche, wobei die scheinbare Trennungslinie die Verbindungslinie der Knickungspunkte aufeinanderfolgender Ausscheidungsstadien des Palliums (Anwachslamellen) darstellt.