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Tektonik der Granit- und Sedimentgesteine in den Montes de Toledo (Spanien) und den angrenzenden Gebieten

Merten, Rudolf

Kurzfassung

Zwischen dem Tajobecken und den Montes de Toledo lassen sich nach dem Gefüge altersmäßig zwei Granite unterscheiden, die bis auf einige Stellen, wo die beiden Granite aneinanderstoßen, durch eine WE-verlaufende Zone kambrischer und silurischer Sedimentgesteine voneinander getrennt werden. Der ältere Granit, im Norden, begrenzt das Tajobecken im Süden. Es ist ein Gneisgranit von wechselvoller Zusammensetzung, der durch Schlieren und porphyrische Feldspäte ausgezeichnet ist. Die Schlieren und die eingeregelten Feldspäte laufen im großen und ganzen der Hauptstreichrichtung des Gebirges (W-E bzw. WNW-OSO) parallel. Vom Granit sind zahlreiche Nebengesteine, vor allen Dingen kambrische Kalke, aufgenommen worden. Zum paläozoischen Nebengestein zeigt sich ein deutlicher Kontakt, so daß die Intrusion wenigstens jünger als das Untersilur ist, keinesfalls aber als archäisch angesehen werden darf, wie es von seiten der spanischen Geologen geschieht. Das Gefüge läßt auf eine spätsynorogene Erstarrung schließen. Der jüngere Granit tritt weiter südlich zutage und erstreckt sich bis an den Fuß der Montes de Toledo. Er ist ein normaler Biotitgranit, der keine Einregelung der auftretenden porphyrischen Feldspäte zeigt. Seine Begrenzung zum Nebengestein verläuft deutlich diskordant; es treten hauptsächlich Thermokontakte auf. Gänge folgen vorwiegend den Q-Klüften. Es handelt sich um einen batholithischen Intrusivkörper, der in einem Sattel (Sattel von Sonseca) aufgedrungen ist. Sein Gefüge läßt eine postorogene Erstarrung erkennen. Hinsichtlich seines Alters gilt das Gleiche wie für den älteren Granit, er ist also wenigstens postuntersilurisch. Die kambrischen und silurischen Sedimentgesteine sind einer Faltung, die einen im allgemeinen WE-streichenden, ruhigen und weitspannigen Faltenbau schuf, unterworfen worden. Überkippungen treten nur an wenigen Stellen auf; die Vergenz ist mal nach Norden, mal nach Süden gerichtet. Kleinere Überschiebungen treten als letzter Akt der Faltung auf. Hinzu kommt eine NS-verlaufende Querfaltung von geringerer Bedeutung. Über das Alter der Faltung kann wenig ausgesagt werden, da jüngere Schichten des Paläozoikums als das Silur nicht aufgeschlossen sind. Das Bild der Faltungen reiht sich jedoch durchaus in den an anderen Stellen bewiesenen variszischen Bau des Gebirges ein. Unter den Elementen der alpidischen Ära ist eine Überschiebung zu erwähnen, die den Granit auf die Kreide des Tajobeckens überschiebt. Das Tertiär (Pont) lagert normal an den Granit an. Postpontische Überschiebungen treten nur in kleinem Ausmaße auf.