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Die pleistozänen, klimatisch bedingten Spiegelschwankungen des Mittelmeeres und des Schwarzen Meeres

Pfannenstiel, Max

Kurzfassung

Der Vortragende ging von dem rezenten eustatischen Ansteigen des Meeres um 1,1 bis 2,2 mm pro Jahr aus, welches von 70 Mareographen in Welthäfen gemessen wurde. Seit etwa 1880 ist der Ozeanspiegel zwischen 5 und 6 cm gestiegen. Die in rund 70 Jahren durch eine leichte positive Klimaänderung abgeschmolzene Eismasse entspricht etwa 1/1000 des derzeit vorhandenen Eisvolumens der Erde. Eustatische Spiegelschwankungen des Pleistozäns können nur an unbeweglichen Küsten abgelesen werden. Tiefstände des Meeres werden durch Bohrprofile im Küstenbereich abgelesen, Hochstände an Terrassen. Der Vortragende stellte einige geologische und paläontologische Kriterien zusammen, um die Einheitlichkeit eines diluvialen Sedimentationszyklusses zu erkennen. Welche Dokumente zeigen eine Eiszeit, welche eine Interglazial- oder Interstadialzeit an? Man muß mit großer kritischer Einstellung die Probleme der eustatischen Schwankungen behandeln. Die großen bestehenden Differenzen in den Angaben der Schwankungshöhen des Meeres, welche auch in der Diskussion zur Sprache kamen, haben Verwirrung angerichtet. Darum wurden nur wirklich einwandfreie Tatsachen und metrische Angaben angeführt, welche die eustatischen Schwankungen beweisen: verschiedene submarine Stromrinnen (Po mit früheren Nebenflüssen in der Nordadria, der submarine Nil, die Donau und alle übrigen Schwarzmeerflüsse), zusammengewachsene Inseln wie Korsika und Sardinien und die Balearengruppe, Ingressionsbuchten und Limane, Erosionstiefen der Ströme und deren Schotterführung, wie auch Dünenbildung. Alle diese Dokumente entstammen dem Maximum von Würm I bei einem Meerestiefstand von - 90 m. Die Flandrische Transgression erweist sich als ein einheitlicher Komplex, der durch Stillstände des Meeresspiegels und kleinere Transgressionen (= Interstadiale) gegliedert werden kann.