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Zur Petrographie körniger Intrusiv-Diabase des Lahn-Dill-Gebietes

Hentschel, H.

Kurzfassung

Als Vorbereitung für die Neuherausgabe geologischer Spezialblätter des Dillgebietes machten sich petrographische Untersuchungen auch an den oberdevonischen-kulmischen körnigen intrusiven Diabasen notwendig. Es zeigte sich dabei, daß diese Gesteinsgruppen im Dill- und Lahngebiet eine beträchtliche bislang nicht beachtete Variation in Gefüge und Mineralbestand und damit im Chemismus aufweist. Mangelnde Aufschlußverhältnisse gestatteten es dabei bislang nicht, auch Einsicht in die genetischen und räumlichen Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Gesteinsvarianten zu gewinnen. Selbst die schon von R. BRAUNS (1909, 1910) und einigen seiner Schüler (HEINECK 1903 und REUNING 1907) versuchte Klärung der Beziehungen der Pikrite zu den körnigen Diabasen (bzw. den Deckdiabasen), also zwischen zwei extremen Gliedern der Diabasgruppe, muß auch nach heutigen Geländebefunden noch als eine offene Frage gelten. Diesem etwas festgefahrenen petrographischen Fragenkomplex wurde durch Diabasprofile aus Kernbohrungen in der Lahnmulde im vergangenen Jahr eine Reihe neuer Beobachtungen zugeführt, so daß ein Einblick in wesentliche genetische Zusammenhänge der Typenvariation der körnigen Diabase gewonnen werden konnte, Insbesondere war es die Untersuchungsbohrung Weyer 1 des Hess. Landesamtes für Bodenforschung am Südwestrand der Lahnmulde, die sich petrographisch in dieser Hinsicht auswerten ließ. Sie durchörterte einen etwa 110 m mächtigen Diabaskörper, der sich innerhalb oberdevonischer dunkelgrauer Tonschiefer placiert und dabei Schiefer auf mehrere Meter thermokontaktmetamorphosiert hat. Ein lückenloser Bohrkern durch den Diabas ließ irgendwelche geologische oder tektonische Grenzen innerhalb des Körpers nicht erkennen. Auch die relativ dichte Serie von Dünnschliffen entlang des Bohrprofils bestätigte diesen Befund, erbrachte zugleich aber eine erstaunlich große Variation des Gefüges und Mineralbestandes, so daß sich entlang des Bohrprofils eine Folge verschiedener Diabastypen unterscheiden ließ. Dabei verlaufen Gefüge- und Mineralbestandsänderungen kontinuierlich und mit einheitlicher Tendenz. Das muß ebenfalls als Äußerung für die einheitliche Intrusion des ganzen Diabaskörpers gewertet werden.