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Bericht über eine Studienfahrt nach Santorin in der südlichen Ägäis

Lippert, H. J.

Kurzfassung

Im Herbst 1953 ermöglichten die Hessischen Berg- und Hüttenwerke, Wetzlar, und die Forschungsgemeinschaft der deutschen Wissenschaft durch finanzielle Hilfe einen 14-tägigen Forschungsaufenthalt auf Santorin. Dabei sollte der von BEHREND 1934 geäußerte Gedanke zur Bildung von Roteisensteinen des Lahn-Dill-Gebietes im Vergleich zu rezenten submarinen Exhalationen und damit verknüpften Vorgängen am Vulkan der Kameni-Inseln in der Inselgruppe Santorin verfolgt werden. Übersichtsweise wurden hierzu besonders bemerkenswerte Stellen mit Exhalationen und die dabei entstehenden Brauneisenschlämme untersucht. Bei der nur kurzen verfügbaren Zeit konnte die Reise nur einem Überblick dienen, an welchen Stellen und mit welchen Verfahren und Hilfsmitteln später einmal die submarinen Exhalationen, ihre Begleiterscheinungen und die Sedimentation der Schlämme erforscht werden können. Die benötigten Gerätschaften stammten vom deutschen hydrographischen Institut, Hamburg und von der Forschungsstelle Wilhelmshaven der Senckenberg. naturforsch. Gesellschaft. Die Analysen der gesammelten Proben wurden vom Laboratorium des Hessischen Landesamtes für Bodenforschung, Wiesbaden, ausgeführt. In Athen fand das Vorhaben tatkräftige Unterstützung von Direktor Dr. ZACHOS, dem Leiter der Griechischen Geologischen Landesanstalt und Professor Dr. GEORGALAS, dem ausgezeichneten Kenner von Santorin. - Santorin ist die südlichste Insel der Cykladen, die zum kleinen Teil aus permo-karbonischen Phylliten und Schiefem besteht. Vielleicht kommen auch jüngere Kalke von Trias-Eozän vor, doch fehlt bisher hinweisende Fauna. Diese gefalteten Schichten gehören zur osthellenischen Faltenzone, die längs dem Cykladen-Massiv die inneralbanisch-bosnischen Faltenketten mit dem südkarischen Faltengebirge verbindet. Junge Bruchtektonik hat die Faltenstränge zerstört. Einzelne Reste überragen an tektonisch bedingten Linien heute das Meer. Gleichzeitiger Vulkanismus hat mancher der Inseln das Gepräge gegeben. Bis auf postvulkanische Nachwehen ist er auf den meisten Inseln beendet. Einzig im Zentrum des Inselringes von Santorin ist heute noch der kleine Vulkan der Kameni-Inseln tätig. Anläßlich erneuter Eruptionen 1925-1928 nach fünfzig Jahren Ruhe, haben RECK und seine Mitarbeiter die geologische Geschichte Santorins mit den Ringinseln Thera, Therasia und Aspronisi sowie den zentralen Kameni-Vulkan erforscht. Danach war die Inselgruppe ehemals ein aus den Bauten mehrerer Vulkane zusammengesetztes Vulkangebirge, das einem auf die SE-Ecke von Thera beschränkten Rumpf alter, gefalteter Gesteine aufgesetzt war.