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Eine miozäne Säugerfauna aus vulkanischen Tuffen des Vogelsberges

Tobien, H.

Kurzfassung

Unterlagen für die säugetierpaläontologische Altersdatierung des Vogelsberg-Vulkanismus sind bisher spärlich. Entweder handelt es sich um alte, heute verschollene Funde aus dem 19. Jh., deren Bestimmungen nicht mehr nachprüfbar sind (Hessenbrücker Hammer Schlechtenwegen, Aspenkippel), oder es liegen Faunen von geringem Umfang vor (Londorf, Homberg/Ohm). Reichlichere Funde liefert dagegen Echzell (Kr. Büdingen), 12 km nö. Friedberg (Wetterau). Bei Kanalisationsarbeiten in einer östl. der Ortschaft neu erbauten Siedlung kamen in zersetzten Tuffen aus etwa 2,20 m Tiefe Mastodon-Zähne und -Knochen zum Vorschein. Eine daraufhin durch die Geol. Abt. des Hess. Landesmuseums (mit finanzieller Unterstützung des Hess. Landesamtes f. Bodenforschung) angesetzte 14tägige Grabung im September 1953 erbrachte - nach den bisherigen Feststellungen - folgende Säuger-Arten: Mastodon angustidens (u. a. belegt durch 14 Molaren und 7 Stoßzähne), bunodonter Listriodon, Rhinoceride, gr. Amphicyonide, dazu zahlreiche Kleinsäuger. Diese wurden teils aus der Fundschicht der Großsäuger in 2,20 m Tiefe, zum größten Teil aber in etwa 11,0 m aus ebenfalls zersetzten Tuffen durch Ausschlämmen gewonnen. Neben den Insectivoren sind Pseudotheridomys, Ligerimys, Cricetodon, Neocometes, Melissiodon, mehrere Gliriden, Sciuriden, Prolagus unter den Nagern vertreten. Von Reptilien sind Schildkröten-Platten (Testudinide), Ophisaurus-Reste, von Amphibien Frosch-Metapodien vorhanden. Mastodon angustidens verweist die Fundstelle in das Miozän (Aquitan hierbei zum Oligozän gerechnet), Melissiodon, Ligerimys, Pseudotheridomys und Neocometes sprechen eher für älteres Miozän (Burdigal/Helvet), weniger für Torton/Sarmat. Die Funde (insgesamt etwa 70 brauchbare Skelettreste von Großsäugern auf 11 qm abgedeckter Fundfläche, dazu die Tausende von Kleinsäuger-Resten) liegen wirr durcheinander. Dies und die fehlenden Anzeichen einer subaquatischen Sedimentation (keine Schichtung, keine Mergel-, Ton-, Sandlagen u. dgl.) deuten auf im wesentlichen subaerische Transportierung und Ablagerung der Skelettreste mit dabei erfolgender teilweiser Zertrümmerung der Knochen. Für die genauere Altersdatierung des Vulkanismus im westlichen Vogelsberg wird diese Fauna von besonderer Bedeutung sein, da hier bisher jegliche Hinweise dieser Art fehlten. Säugerfaunen dieses Alters (vor allem mit Kleinsäugern) sind in Deutschland selten, auch in Europa existieren nur wenige Lokalitäten, die direkt vergleichbar sind. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, die Grabungen werden fortgesetzt.