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Tiefenberechnung des Zechsteinmeeres nach dem Bromgehalt der Salze

Kühn, Robert

Kurzfassung

I. Problemstellung Der Bromgehalt der Salzmineralien und Salzgesteine ist schon verschiedentlich als Test bei der Untersuchung von Salz- und Laugenvorkommen benutzt worden. Der Grundgedanke ist, daß bei Auskristallisation eines chloridischen Salzes der Salzlagerstätten aus der Mutterlauge auch ein Anteil Brom in isomorpher Vertretung statt Chlor von dem Kristallgitter des Salzes aufgenommen wird. Der aufgenommene Bromanteil steht in ganz bestimmtem Verhältnis zum Bromgehalt der Mutterlauge. Kristallisieren mehrere verschiedene chloridische Salze aus der gleichen Mutterlauge nebeneinander, d. h. also in Paragenese, so stehen die Bromgehalte dieser Salze untereinander auch in ganz bestimmten Verhältnissen. Da das Brom im Kristallgitter fest eingebaut ist, verändern trockene Druckbeanspruchungen und Rekristallisationen des Salzes seinen Bromgehalt nicht. Die Bromgehalte liegen in substanziell unveränderten Salzen noch genau so vor wie unmittelbar nach der Ablagerung, obwohl ihre Struktur seither infolge tektonischer Beanspruchungen und Rekristallisationen wesentlich verändert sein mag. Anders verhält es sich dagegen mit dem Argongehalt, der Unterlagen zur geologischen Altersbestimmung von Salzlagern darbietet (SMITS & GENTNER 1950); das lediglich okkludierte Argon dürfte infolge tektonischer Beanpsruchung wenigstens z.T. ausgetrieben werden. Es sei noch erwähnt, daß in tektonisch außerordentlich beanspruchten Salzstöcken vom Steinsalz wesentliche Schichtpakete ausgequetscht sein (fehlen) können, so daß im Bromgehaltsanstieg vom Liegenden zum Hangenden hin dann starke Sprünge zu beobachten sein werden. Die ersten grundlegenden diesbezüglichen Untersuchungen stammen von BOEKE (1908), SCHOBERT (1912), in neuerer Zeit von D'ANS und Mitarbeitern (D'ANS 1947, D'ANS & KÜHN 1940 u. 1944, KÜHN 1941, KÜHN 1951). Jüngst hat BAAR (1952) die Bromgehalte im Verein mit geologischen Beobachtungen unter Tage und Untersuchung von Dünnschliffen verschiedener Salzgesteine des Südharzes für genetische Ableitungen mit ausgewertet. Einige diesbezügliche ausländische Ansätze seien zitiert: AMOROS 1946, CHIRKOV 1939, CHIRKOV & SHNEE 1939, HASLAM, ALBERRY & MOSES 1950, LINDBERG 1946, SCHLESINGER, SORKIN & NOWOSHENOWA 1938, VINOGRADOW 1945.