Original paper

Progressive und deszendente Vorgänge bei der Sedimentation der Riedel-Gruppe (Zechstein 3)

Herde, W.

Kurzfassung

Die älteren Bearbeitungen des deutschen Zechstein-Salzgebirges beschränken sich meistens auf die Schichtenfolge einer einzelnen Grube. Infolge des Fehlens regionaler Vergleiche konnte manche stratigraphische Unsicherheit über die vorkommenden Kalilager bisher noch nicht beseitigt werden. Aus diesem Grunde wurde von RICHTER-BERNBURG unter anderem eine Spezialbearbeitung der Riedel-Gruppe auf den Hannoverschen Salzstöcken (Benthe, Sarstedt-Sehnde-Lehrte, Hänigsen-Wathlingen, Habighorst-Höfer) angeregt. Auf diese Weise sollten regionale Vergleichsmöglichkeiten geschaffen und die stratigraphische Stellung des Flözes Riedel sowie auch die des Flözes Albert (RICHTER-BERNBUBG 1949) geklärt werden. Aus diesen Arbeiten, über die demnächst in meiner Dissertation berichtet wird, ergeben sich einige allgemeinere Schlüsse, die hier kurz dargestellt werden sollen. Der deutsche Zechstein, insbesondere sein Salzgebirge, läßt eine zyklische Gliederung seiner Sedimente erkennen. Die einzelnen, in progressiver Abscheidung entstandenen Serien beginnen jeweils mit einer klastischen Schicht und führen über Karbonat, Sulfat und Natriumchlorid zu den K- und Mg-Chloriden. Über dieser progressiven Folge schließen sich als rezessive Folge hangendwärts wieder Salze mit abnehmender Löslichkeit an. Die dritte der insgesamt vier Abscheidungsserien, Leine-Serie bzw. Zechstein 3, zeigt keine einmalige Progression; sie erreicht vielmehr zweimal den Abscheidungsgipfel, und zwar jeweils in den Kalisalzen der Flöze Ronnenberg und Riedel. So unterscheiden wir im Zechstein 3 als Teilzyklen eine Ronnenberg-Gruppe und eine Riedel-Gruppe (RICHTER-BERNBURG, dieser Bd. S. 593 ff.). Die Riedel-Gruppe beginnt mit einem besonderen Tiefpunkt der Sedimentation in Form der Anhydritmittel-Zonen. Auch in der Unterteilung der Leine-Serie ist also das Moment der progressiven Abscheidung bestimmend. Betrachten wir die Riedel-Gruppe aber genauer, so zeigt sich hier im einzelnen doch eine Erscheinung, die im Gegensatz steht zum Sedimentationstyp aller übrigen Salzhorizonte. Während z. B. noch die Anhydritbänke des Anhydritmittelhorizontes ziemlich komplette Abscheidungszyklen "en miniature" darstellen, indem sie mit Ton beginnen und über Anhydrit zum unreinen bzw. reinen Steinsalz laufen, liegen die Dinge in dem hangenden sogenannten Schwadensalz schon anders.