Original paper

Frühdiagenetische Störungen der Schichtung und Lagerung im Werra-Anhydrit (Zechstein 1) am Südwestharz

Herrmann, Axel; Richter-Bernburg, Gerhard

Kurzfassung

I. Problemstellung und Vorbemerkungen Eine regionale Bearbeitung des Zechsteins am Südwestharz hatte sich mit stratigraphischen, faziellen und paläogeographischen Fragen auseinanderzusetzen. Bei der Betrachtung der mächtigen Anhydrite der Werra-Serie (Zechstein 1) ergab sich ein aus dem regionalen Rahmen fallendes Teilproblem, das einen fruchtbaren Vergleich mit Erscheinungen gestatten dürfte, wie wir sie auch an höhersalinaren Gesteinen gelegentlich beobachten (vgl. dazu RICHTER-BERNBURG, dieser Band, S. 637). Wir beschränken uns hier jedoch darauf, eine Beschreibung der bemerkenswerten Schichtungstypen und Lagerungsformen im Werra-Anhydrit zu geben und ihre Deutung ex loco zu versuchen. Der Sedimentationsbereich unseres Anhydrites bzw. Gipses ist ein Flachwassergebiet inmitten des Zechstein-Meeres, das als Hunsrück-Oberharz-Schwelle bezeichnet wird (STILLE 1928), das jedoch am SW-Harz eine besondere Kulmination im Eichsfeld zeigt und daher hier kurz Eichsfeld-Schwelle genannt werden kann (v. ZWERGER 1934, G. RICHTER 1941/42). Bis auf den Top der Schwelle, wo statt des Sulfates Riffkarbonate entstanden, war der Werra-Anhydrit am gesamten südlichen Harzrande verbreitet. Er ist jedoch nur in den Bereichen seiner mächtigsten Entwicklung, den Sulfatwällen auf den beiden Schwellenflanken - einerseits zwischen Badenhausen und Herzberg, andererseits von Bad Sachsa an ostwärts - gut zu beobachten. In den natürlichen Aufschlüssen ist der Anhydrit oberflächlich vollständig vergipst und mehr oder weniger stark verwittert, doch haben eine Reihe von z. T. ausgedehnten Gipsbrüchen (Abb. 1) schöne Aufschlüsse im "unverwitterten" Gips und im nicht vergipsten Kern des Werra-Anhydrites geschaffen. Der Top der Eichsfeld-Schwelle ist praktisch ohne Sulfatsediment geblieben. Die - weiß gelassenen - Saumgebiete sind die Bereiche der mächtigen Anhydritwälle. Die horizontal schraffierten Flächen entsprechen tieferem Wasser mit abklingender Sulfatmächtigkeit.