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Zur Genese des alpinen Haselgebirges

Schauberger, Othmar

Kurzfassung

1. Einleitung Die ostalpinen Salzlager bestehen zum Großteil aus einem halb konglomeratisch, halb brekziös aussehenden, innigen Gemenge von Steinsalz mit Ton, Anhydrit usw., für das die Bezeichnung "Haselgebirge" ein geologischer Begriff geworden ist. Salzgesteine von der Erscheinungsform des Haselgebirges kennt man übrigens z. B. auch aus den Karpathen (Stebnik u. a. O.), aus Bulgarien (Prowadia), aus Nordafrika (Sahara-Atlas) und aus Indien (Himalaja). Dem Bergmann wie dem Geologen war bisher die Definition des Haselgebirges als eine regellose, ungeschichtete Masse ebenso geläufig wie die Vorstellung, daß das Haselgebirge durch eine intensive tektonische Vermischung der ursprünglich regelmäßig geschichteten Salzgesteine untereinander und mit Gesteinen des durchstoßenen Deckgebirges entstanden sei, somit einen Mylonit höchsten Grades und größten Ausmaßes darstelle. Beide zogen daraus ihre Konsequenzen, der Bergmann in der Weise, daß er es für aussichtslos hielt, in den Haselgebirgsstöcken nach einer für seine Aufschließungsarbeiten brauchbaren Bauformel zu suchen, und der Geologe, indem er dem Haselgebirge die feste Rolle eines Schmier- und Gleitmittels für die alpinen Deckenbewegungen zuteilte. "Der Wechsel der schneidendsten Gegensätze" (MOJSISOVICS) in den Aufschlußbildern eines alpinen Salzlagers wird dem, der nur einen Salzberg oder gar nur einige Grubenstrecken in Hallstatt, Hallein oder sonstwo flüchtig befahren hat, auch kaum eine andere Auffassung vermitteln können. Erst eine seit mehreren Jahren in Gang befindliche, Meter für Meter in allen Horizonten der österreichischen Salzberge vorgetragene Detailaufnahme, deren Ergebnisse im folgenden kurz dargestellt werden, hat bereits genügend Beweismaterial erbracht, um das Problem des alpinen Haselgebirges einer für den Bergmann und Geologen gleich bedeutsamen Lösung zuzuführen.