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Beiträge zur Kenntnis des alpinen Salzgebirges mit einer strukturellen und stofflichen Bearbeitung des Ischler Salzbergs und einem Entwurf einer tektonischen Entstehungshypothese des Haselgebirges

Mayrhofer, Heimo

Kurzfassung

I. Einleitung Die Arbeiten von O. SCHAUBERGER durchbrachen erstmalig die Vorstellung einer ungliederbaren, chaotisch-brecciösen Salz-Ton-Anhydrit-Masse durch die Auftellung einer Haselgebirgs-Stratigraphie; vordem hatte das alpine Salzgebirge jeder kartierenden Darstellung und schon damit einer auf breitem Überblick gegründeten Deutung widerstanden. Die scheinbaren Widersprüche und Vieldeutigkeiten im Salzgebirge, das sich in der Vielfalt seiner Formen und seiner Monotonie im Stoff schnell erzielbaren Ergebnissen entzieht, machte bisher jede scharf gefaßte Deutung zum Wagnis. Heute steht nach der mineralogisch-petrographischen Pionierarbeit R. GÖRGEYS die Reliktstratigraphie von SCHAUBERGER in ihren Grundzügen fest. Seine genetische Erklärung jedoch - das Haselgebirge als sedimentäre Bildung mit relativ geringer tektonischer und metamorpher Überprägung - steht zur Diskussion. Der tektonischen Entstehungsdeutung im Sinne einer chaotischen Riesenbreccie des im alpinen Orogen total zerstörten Salzlagers dagegen fehlt die eingehende lagerstättenkundliche Fundierung. Sie wird vielmehr aus der Regionalgeologie, aus der Deckenlehre, abgeleitet. So wertvoll Beleuchtungen aus der regionalen Stellung unserer Salzlager sind, so stellen sie doch nur einen Aspekt dar. Das Haselgebirge selbst kann hierbei allzuleicht aus der Logik einer - in ihren Einzelvorgängen noch nicht fertigen - Vorstellung tektonischen Großgeschehens als von vornherein im Prinzip geklärt betrachtet werden und seine Problematik schlechthin (das "Chaos" nämlich) würde zum Argument. Es blieb aus diesen Gründen bisher eine im Salzgebirge wurzelnde, dessen Formen und Stoffverteilung in scharf umrissenen Vorstellungen erklärende tektonische Hypothese des Haselgebirges aus.