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Über das Vorkommen von Mikroorganismen in Salzlagerstätten (geomikrobiologische Untersuchungen III)

Müller, Adelheid; Schwartz, W.

Kurzfassung

I. Einleitung Im Verhalten gegenüber anorganischen Salzen, besonders gegenüber Kochsalz, lassen sich 4 Gruppen von Mikroorganismen unterscheiden: halophobe: Mikroben, die bei Gegenwart von NaCl (abgesehen von den geringen, in den üblichen Nährböden auf Fleischbasis enthaltenen Mengen) weder Wachstum noch Vermehrung zeigen, vielmehr gehemmt oder abgetötet werden - haloresistente: Mikroben, die bei Gegenwart von NaCl zwar nicht wachsen oder sich vermehren, aber zunächst auch nicht geschädigt werden - halotolerante (auch als fakultativ halophile bezeichnet): Mikroben, deren Entwicklung durch die Gegenwart von NaCl innerhalb wechselnder Konzentrationsbereiche nicht unterbunden wird - halophile: an hohe osmotische Drucke angepaßte Mikroben, deren Wachstum und Vermehrung obligatorisch an die Gegenwart von NaCl je nach Artzugehörigkeit in mannigfaltigen Abstufungen der Konzentrationsbereiche gebunden ist. Von diesen 4, allerdings nicht scharf zu trennenden Gruppen scheidet die erste aus unseren Betrachtungen aus. Haloresistente Mikroorganismen sind vorwiegend sporenbildende Bakterien, die in der resistenten Sporenform selbst in gesättigten Salzlösungen längere Zeit lebensfähig bleiben (LEWANDOWSKI 1904). Zu den Halotoleranten gehört eine große Zahl weit verbreiteter Bakterienarten selbst von salzfreien oder salzarmen Standorten, die sich ohne Schwierigkeiten an steigende Salzkonzentrationen anpassen und dabei morphologische und zytologische Veränderungen zeigen können. SPERLICH (1912) gelang z. B. die Adaptation gewöhnlicher Boden- und Wasserbakterien an Kochsalzkonzentrationen bis zu 10%, und LEWANDOWSKI (1904) hat bei 10% Kochsalz noch gutes und bei 25% noch schwaches Wachstum einiger aus Erde und Vegetabilien isolierter Bakterien beobachtet, wobei allerdings bei 25% Verlust der Beweglichkeit und Verstärkung der Fadenbildung zu bemerken waren. Auch PETROWA (1933) und HOF (1935) bringen Beispiele für die Adaptation von Bodenbakterien an höhere Salzkonzentrationen.