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Stratigraphische Gliederung des deutschen Zechsteins

Richter-Bernburg, Gerhard

Kurzfassung

I. Voraussetzungen Die Voraussetzungen, die wir für eine exakte Stratigraphische Gliederung einer Formation gewöhnlich als notwendig ansehen, werden vom deutschen Zechstein nicht erfüllt: Wir vermissen eine reichhaltige Fauna, aus deren Entwicklungsstufen einige Leitfossilien die Unterteilung ermöglichen könnten. Ursache dafür ist die Lebensfeindlichkeit des Entstehungsraumes mit seinem fast stets übersalzenen Beckenwasser. So wurde die Formationsgliederung nach ihrem lithologischen Aufbau vorgenommen, und zwar zunächst nach den Gesteinen, die an der Tagesoberfläche sichtbar waren. Danach gliederte BEYRICH (1870) bei der ersten Geologischen Spezialkartierung des Südharzes und nach seinen Kenntnissen Thüringens in: a) einen unteren Kalk, den "Zechsteinkalk", b) einen mächtigen "Hauptdolomit" im mittleren Teil und c) ein oberes Karbonatgestein, den "Plattendolomit". Eine solche Aufteilung in Unteren, Mittleren und Oberen Zechstein trug den Belangen einer kartographischen Darstellung Rechnung, ja sie erweist sich für manche Gebiete bis heute als durchaus brauchbar. Als man dann aber aus Tiefbohrungen und später aus Bergwerken den eigentlichen Aufbau der Formation mit ihren mächtigen Salzlagern kennenlernte, wußte man diese zunächst nicht in das kartierte Schema einzubauen. Man glaubte sie sämtlich dem Oberen Zechstein zuweisen zu müssen und half sich mit Bezeichnungen, wie "Älteres" und "Jüngeres" Steinsalz, "Älterer" und "Jüngerer" Gips, mußte aber bald feststellen, daß es dazu jeweils noch älteres bzw. noch jüngeres gab. So konnte es passieren, daß z.B. auf einigen Kartenblättern am Südharz auch in der neueren Auflage als "Älterer" und "Jüngerer" Gips einmal Werra-Gips und Basal-Anhydrit, auf dem Nachbarblatt dagegen Basal-Anhydrit und Haupt-Anhydrit bezeichnet wurden. Hier zeigt sich, daß durch das Fehlen der exakten Bezeichnungen die Stratigraphische Arbeit als solche eingeschläfert wurde. Die Fehleinstufung des Werrasalzes, nämlich seine Gleichstellung mit dem Staßfurtsalz, die erst durch HEIDORN & SCHLÜTER (1931) korrigiert wurde, hatte eine beträchtliche Verwirrung der Zechstein-Stratigraphie zur Folge gehabt.