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Exkursion zum Salzstock von Benthe (Hannover), mit Befahrung der Kaliwerke Ronnenberg und Hansa Ahlborn, O.

Richter-Bernburg, G.

Kurzfassung

Schon 1914 hat STILLE - nach Abschluß der ersten Bohrkampagne auf Kalisalze - den Salzstock von Benthe beschrieben und in einer Profilreihe dargestellt. Er spricht vom Benther "Sattel" insofern mit gewisser Berechtigung, als der grundsätzlich SSW-NNE, also rheinisch streichende Salzkörper auf beiden Längsseiten ziemlich normal von Trias flankiert wird: Im Osten steht ein Teil des Ortes Ronnenberg auf dem Unteren, im Westen verdankt der Rücken des Benther Berges seine Morphologie dem Mittleren Buntsandstein. So erscheint in einem Querprofil West-Ost (Abb. 1) die Struktur tatsächlich wie ein Sattelaufbruch. Im Süden grenzt dagegen das Salz unvermittelt an das weite Unterkreide-Gebiet der "Schaumburg-Lippischen Mulde". Die Südgrenze des Salzstockes gehört damit zu einer bedeutenden, vom mittleren Leinetal nach dem Steinhuder Meer SE-NW streichenden Schollengrenze (vgl. Verf. 1938, Abb. 3; ROLL 1949, MARTINI ds. Bd., S. 823). An dieser Bruchkante mag das Salz aus mehr als 3000 m Tiefe steil heraufsteigen, erscheint also als Diapir. Die zu dieser Linie quergerichtete Gesamterstreckung des Salzkörpers folgt offenbar einer rheinisch streichenden Zerrungszone, die weiter nördlich, im Stadtgebiet von Hannover, in grabenförmig versenkter Oberkreide erkennbar ist. Vom Osthang des Benther Berges überblicken wir die morphologisch heraustretenden Mantelschichten sowie die etwa 15 km2 große Ebene, unter welcher der Salzstock an die "Oberfläche" tritt, d.h. bis 150-180 m unter Tage heraufreicht. Es ist zwar selbstverständlich, daß diese heutige Depression auf Subrosion, also subterrane Salzablaugung, zurückgeht. Aber der Vorgang ihrer Entstehung ist verwickelt. Wie STILLE (1914) erkannte, steht der Mittlere Buntsandstein des Benther Berges überkippt, ist also - vom Salzstock gesehen nach außen - übergelegt (Abb. 1). Wir können uns in einem Aufschluß dicht westlich der höchsten Kammhöhe davon überzeugen. Diese Überkippung kann nur mit einer Überwältigung der Westflanke durch die Salzmasse erklärt werden. Der Salzkörper muß ursprünglich einmal so hoch aufgestiegen sein, daß er den Buntsandstein der Westflanke unter sich begraben und dabei umklappen konnte.