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Chemische und physikalische Erscheinungen bei infiltriertem Grundwasser

Nöring, Friedrich

Kurzfassung

Die erste moderne Infiltrationsanlage mit dem Zweck der Wiedergewinnung des infiltrierten Wassers für die Trinkwasserversorgung wurde im Jahre 1897 in Göteborg (Schweden) (GANDENBERGER 1950, S. 144; JANSA 1951, S. 227) errichtet. Diese Art der Trinkwassergewinnung vergrößert ständig ihren Mengenanteil an der Gesamtgrundwasserförderung. Eine Reihe wissenschaftlich bedeutsamer Erscheinungen ist für die Praxis wichtig. Abweichende Beschaffenheit des Grundwassers in Flußnähe In der Schweiz liegt in der Nähe der Flüsse in der Regel eine niedrige Karbonathärte vor (MOHLER 1949, S. 136). Dort ist das vom Binnenland kommende Grundwasser meist hart, das Flußwasser meist weich. Am unteren Main (Deutschland) hegen die Verhältnisse umgekehrt (Mitteilung von K. STADAGER und eigene Beobachtungen in Frankfurt-Niederrad). In beiden Fällen dringt also Flußwasser in das Binnenland ein, ohne daß dort Grundwasser entnommen wird. Die Ursache liegt in der verschiedenen Steiggeschwindigkeit von Flußwasser und Grundwasser. Ein Fluß kann seinen Spiegel in wenigen Stunden um mehrere Dezimeter erhöhen, das Grundwasser in der Regel nicht. Steigt der Fluß, so findet er daher Gefälle zum Binnenland vor und infiltriertes Wasser fließt so lange binnenwärts, wie der erhöhte Flußwasserstand vorliegt, und so weit, bis die dem Flußwasserstand gleiche Höhenlinie der Grundwasseroberfläche erreicht ist. Bei längerem hohem Flußwasserstand stellt das vom Binnenland kommende Grundwasser wieder Gefälle zum Fluß her und das infiltrierte Wasser fließt zum Fluß zurück. Der von wechselnden Gefällsrichtungen beherrschte Uferstreifen stellt in chemischer Hinsicht eine Mischzone dar. Die Breite der Mischzone ist um so größer, je höher der Flußwasseranstieg, je schneller der Flußwasseranstieg, je geringer das Spiegelgefälle des binnenseitigen Grundwassers, je durchlässiger der Grundwasserleiter, je geringer die vom Binnenland zuströmende Grundwassermenge, je größer die Zeit des hohen Flußwasserstandes bis zum Beginn der Wiederherstellung eines flußwärtigen Fließgefälles durch das vom Binnenland kommende Grundwasser ist.