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86jährige Grundwasserganglinie von Berlin (Ein Ergebnis des ältesten existierenden Grundwasserdienstes)

Denner, J.

Kurzfassung

In Berlin, wo, wie wohl kaum an einer anderen Stelle, fast alle denkbaren wasserwirtschaftlichen und hydrologischen Probleme auf einen mehr oder weniger engen Raum konzentriert sind, wurden Ende der 1860er Jahre anläßlich der Vorarbeiten für die Kanalisation der Stadt ein Grundwasserbeobachtungsdienst mit 28 Beobachtungsrohren eingerichtet und die Beobachtungen bis heute in dem unterdessen bis auf etwa 2000 Beobachtungsrohre angewachsenen Grundwasserbeobachtungsnetz so gut wie lückenlos durchgeführt. Die Auswertung der Untersuchungen der ersten Jahre zeitigte damals bereits wichtige Ergebnisse, so u. a. die Erkenntnis, daß das Grundwasser von den seitlichen Höhen des Berliner Urstromtales her senkrecht oder schräg auf die Spree zufließt und diese speist, umgekehrt bei HW Flußwasser aus der Spree in das Grundwasser übertritt. Diese Feststellungen bilden einerseits die ersten Erkenntnisse über die hydraulischen Wechselbeziehungen zwischen Fluß- und Grundwasser in diesen Gebieten, andererseits die ersten Anhaltspunkte gegen die später aufgetauchte irrige Anschauung, daß das Grundwasser in den Urstromtälern zum Meere abfließe. Der auf Initiative ärztlicher Seite von den Bauingenieuren der Stadt Berlin geschaffene Grundwasserbeobachtungsdienst war schon damals in mancher Hinsicht sachgemäßer eingerichtet, als dies heute mitunter der Fall ist. Wenn auch zeitlich noch ältere, vorübergehende Grundwasserbeobachtungen (1836 in Sussex/Engl., 1856 in München, 1865 in Brünn) bekannt sind, so ist doch in Anbetracht der vorbildlichen Einrichtung und der lückenlosen Durchführung der in Betracht kommenden verschiedenartigen Beobachtungen der Grundwasserbeobachtungsdienst in Berlin mit Recht als die älteste wissenschaftlich wertvolle derartige Einrichtung zu bezeichnen.