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Ein Beitrag zur Geologie und Hydrologie der österreichischen Alpentäler

Bistritschan, Karl

Kurzfassung

Unsere Kenntnisse von den jungen Talauffüllungen der großen Längstäler der nördlichen Ostalpen - Inn-, Salzach- und Ennstal - waren bisher nur als ziemlich lückenhaft zu bezeichnen. Über die Talauffüllung des Inntales sind wir durch die von AMPFERER beschriebene Tiefbohrung von Rum bei Hall in Tirol und zwei Bohrungen im Raume von Wörgl unterrichtet. Die Bohrung Rum mußte in 200 m Tiefe, ohne noch den Felsuntergrund erreicht zu haben, wegen starken Wasserandranges eingestellt werden. Die Bohrung liegt nahe der Talmitte, etwas in der nördlichen Hälfte des hier über 4 km breiten Tales. Die erbohrte Schichtfolge zeigt mehrmals wechselnd Ablagerungen von Schotter, Fein- und Mehlsand, wobei die einzelnen Schichtkomplexe eine verhältnismäßig große Mächtigkeit (30-60 m) aufweisen. Die Bohrungen bei Wörgl erbohrten in 92 bzw. 98 m Tiefe den Fels, doch sind diese Bohrungen mehr am Talrand gelegen. Weiter innabwärts wurden auf Grund seismischer Untersuchungen im Jahre 1950 im Raume Kirchbichl-Häring wieder größere Mächtigkeiten der quartären Ablagerungen festgestellt, und zwar bei Oberlangkampfen (K 498) 160 m, Innschleife beim Hofe King (K 495) 140 m, innerhalb der Innschleife knapp östlich Winklheim (K 492) 185 m, NW Winklheim (K 494) 135 m, W Winklheim (K 494) 110 m und NO Walch (K 522) 135 m. Diese Zahlen bedeuten, daß im Raume Kirchbichl die Felssohle bei 320 m liegt und nach den Rändern zu ansteigt. Der tiefste Punkt der Felssohle liegt NO Winklheim bei 307 m. AMPFERER, der die Daten über den Felsverlauf im Raume Kirchbichl noch nicht kannte, war auf Grund der ihm damals bekannten Daten, daß der Felsuntergrund bei Wörgl etwa bei 410 m, bei Hall aber unter 360 m liegen müsse, zum Schluß gekommen, daß in der Gegend von Hall ein Stausee im Grundgebirge von mehr als 50 m Tiefe vorliegen müsse. Angesichts dieser Feststellungen hatte man nach AMPFERER nur die Wahl, entweder eine kräftige und ausgedehnte Talverbiegung oder eine glaziale Untertiefung des Tales durch den Inngletscher während der letzten Eiszeit anzunehmen. AMPFERER hatte sich für eine Talverbiegung entschieden.