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Zur Geologie der Wiesbadener Mineralquellen

Michels, Franz

Kurzfassung

Wiesbaden besitzt 27 gefaßte Mineralquellen. Die Hauptquellen treten auf einer von SW nach NO gerichteten Linie zutage. Sie waren bisher alle nur sehr flach gefaßt. Der Zutritt des gesamten Mineralwassers erfolgt auf einem großen streichenden Störungssystem, das gleichzeitig eine der Hauptabbruchspalten am Südrand des Rheinischen Schiefergebirges gegen den Oberrheintalgraben darstellt. Es ist aber bemerkenswert, daß auch hier genau so wie bei den anderen wichtigen Mineralquellen am Taunussüdrand der Auftrieb des Mineralwassers nicht unmittelbar auf der Verwerfung zwischen altem Gebirge und Tertiär erfolgt, sondern auf Parallelsystemen innerhalb des alten Gebirges. So verläuft die Wiesbadener Hauptquellspalte mitten im Serizitgneis und folgt ungefähr auch dessen Streichen. Wie die bisherigen Aufschlüsse zeigten, erfolgt der Auftrieb nicht gleichmäßig auf der ganzen Spalte, sondern anscheinend nur da, wo die streichende Störungsgruppe durchschnitten ist von Querstörungen, die zum Teil mehr oder weniger mit Gangquarz erfüllt sind. So konnte bei der Neusanierung der "Schützenhofquelle" vor einigen Jahren festgestellt werden, daß die Schützenhofquelle aus einem solchen Quarzgang aufsteigt. Auf der Hauptquellspalte entspringen 4 Hauptquellen, von Osten nach Westen in folgender Anordnung: 1. Als östlichste der Kochbrunnen als stärkste Wiesbadener Quelle mit einer Temperatur von rund 67° und einer Schüttung von rund 500 cbm/Tag. - Unmittelbar neben dem Kochbrunnen liegt eine kleine, auch sehr warme Quelle, die Spiegelquelle. 2. Nach Südwesten folgt dann die Große Adlerquelle, ebenfalls mit einem kleinen Satelliten, der Kleinen Adler quelle. Die beiden Adlerquellen hatten ebenfalls Temperaturen von rund 67°. Nach SW folgt dann 3. die schon erwähnte Schützenhofquelle, die aus einem die Hauptspalte querenden Quarzgang entspringt, wobei aber anscheinend durch den Quarzgang schon Süßwasser zugemischt wird, so daß die Temperatur dieser Quelle nur rund 49° beträgt. Weiter nach SW ist 4. der Faulbrunnen bekannt mit einer Temperatur von 14°.