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Die Versalzung des Grundwassers an der Westküste Ostfrieslands

Richter, Wolfgang

Kurzfassung

Die Verbreitung des süßen und salzigen Grundwassers ist bedingt durch die erdgeschichtliche Entwicklung des Gebietes im Holozän. Während der Weichsel-Eiszeit lag die Küstenlinie der Nordsee weit nördlich der Doggerbank. Zu jener Zeit dürfte im Untergrund des heutigen ostfriesischen Küstengebietes nur süßes Grundwasser vorhanden gewesen sein. Während des Holozän hat sich die Küstenlinie nach Süden verschoben, bis sie etwa 100 v. Chr. Geb. (Prärömische Transgression) ihre weiteste Lage landeinwärts erreichte, und etwa entlang dem heutigen Geestrande verlief. Der Hauptgrundwasserleiter ist aufgebaut aus einer i. M. 150 m mächtigen Folge von vorsaaleeiszeitlichen und saaleeiszeitlichen Sanden und Kiesen. Geschiebelehm, geringmächtige Feinsande, Basistorf und Schlicktone bilden die Deckschichten. Da sie beschränkt wasserdurchlässig sind - sie stellen "Halbleiter" dar -, in ihnen also Wasser, wenn auch vergleichsweise langsam, fließen kann, muß man annehmen, daß generell die Versalzung des Grundwassers am Ende der Prärömischen Transgression bis an den Geestrand reichte. Die heutige Süß-Salzwasser-Grenze - ermittelt aus fast 300 geoelektrischen Sondierungen (vgl. Referat von H. FLATHE, S. 187) im Gebiet zwischen der Küste und der Linie Nessmersiel-Hage-Loppersum-Tergast liegt im Mittel 4-5 km vom Geestrand entfernt. In der Zeit nach 100 v. Chr. Geb. ist also zwischen dem Geestrand und der heutigen Süß-Salzwasser-Grenze eine Aussüßung erfolgt. Der Verlauf der Süß-Salzwasser-Grenze im einzelnen ist im wesentlichen das Ergebnis einer Folge von Versalzungs- und Aussüßungsvorgängen, welche durch die Änderungen der hydrostatischen Druckverhältnisse im Holozän bedingt sind. Diese beruhen hauptsächlich auf den Verschiebungen der relativen Höhenlagen des Meeresspiegels im Verlauf der holozänen Trans- und Regressionen. Dieses gilt jedoch nur unter der - im Großen wohl gegebenen - Voraussetzung, daß die Klimaschwankungen im und nach dem Subboreal generell nur unerheblich das Ausmaß der Neubildung des süßen Grundwassers beeinflußten. Hinzu kommt der Einfluß der Eindeichung, welche örtlich eine Störung des natürlichen Grundwasserhaushalts hervorrief.