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Bemerkungen zur Auswertung geoelektrischer Meßergebnisse aus dem Raum der deutschen Nordseeküste

Flathe, H.

Kurzfassung

Die Auswertung geophysikalischer Meßergebnisse besteht darin, aus physikalischen Meßgrößen ein geologisches Bild zu gewinnen. Sie hat demgemäß in zwei Schritten zu erfolgen: in der Ermittlung wahrer physikalischer Sachverhalte im Untergrund aus den Meßwerten einerseits und der Zuordnung physikalischer Daten zum geologischen Bau andererseits. Speziell für elektrische Widerstandsmessungen von der Erdoberfläche aus heißt das, man hat aus den gemessenen sogenannten "scheinbaren" Widerständen, die üblicherweise als Sondierungskurven vorliegen, die wahren spezifischen Gesteinswiderstände zu ermitteln und dann eine Zuordnung zur Geologie des Untersuchungsgebietes zu treffen. Beide Schritte der Auswertung stehen in enger Wechselbeziehung und sind deshalb nicht nacheinander auszuführen, sondern vielmehr nebeneinander und nicht ohne engste Fühlungnahme mit dem Geologen. Die geologische Situation beeinflußt sowohl die Anlage und Durchführung des Meßprogramms und spielt bereits im physikalischen Teil der Auswertung eine Rolle, da ihre Kenntnis die Zahl der auf Grund des Äquivalenzprinzips theoretisch möglichen Lösungen einschränkt. Andererseits sollte wiederum eine geologische Interpretation eines durch die physikalische Auswertung erhaltenen Widerstandsprofils nicht ohne den Physiker vorgenommen werden. Unter Beachtung dieser wesentlichsten Grundregeln für den Einsatz der Geoelektrik wurde der ostfriesische Küstenraum in den Jahren 1951/52 untersucht. Zur Frage der Küstenversalzung wurden Anschlußmessungen an vorhandenen Bohrungen mit bekannten Wasseranalysen ausgeführt und mittels der ARCHIE-Formel für einen aus relativ reinen Sanden bestehenden Grundwasserleiter ein spezifischer Widerstand von im Mittel 45 Omega m festgestellt, wenn der Cl'-Gehalt des Grundwassers 250-300 mg/l beträgt (Geschmacksgrenze). Dieser Wert ist gültig für den Raum Norden-Leybucht-Krummhörn, mit Ausnahme einiger Gebiete, wo der Grundwasserleiter etwas toniger ausgebildet ist.