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Diskussionsbemerkung zum Vortrag W. FRIEDRICH: "Lysimetermessungen und andere gewässerkundliche Verfahren zur Ermittlung der Grundwassererneuerung"

Nöring, Friedrich

Kurzfassung

Die Ermittlung der Grundwassererneuerung nach den Formeln Au = N - V - Ao (im langjährigen Mittel) oder Au = N + Bo + Bu - V - Ao - Ro - Ru (für beliebig kurze Zeiträume) ergibt kleinere Werte, als sie sich bei späterer Grundwasserentnahme herausstellen werden. Grundwasserentnahme bewirkt nämlich Absenkung der Grundwasseroberfläche. Dadurch wird Au auf Kosten von V und Ao vergrößert. Besonders zu Buch schlagend muß dieser Vorgang sein, wo die Grundwasseroberfläche in der Nähe der Erdoberfläche innerhalb großer Teile des Einzugsgebietes lag und infolge der Absenkung Pflanzen- und Bodenverdunstung vermindert wird und gleichzeitig eine bestimmte Wassermenge, die vorher im Untergrund keinen Platz vorfand, Einsickerungsmöglichkeit erhält. KOEHNE (1933, S. 227) erwähnt dazu ein drastisches Beispiel; "In einem durch den Bergbau ausgetrockneten, von Trockenrissen durchzogenen und von Kaninchen unterwühlten Moorgebiet bei Aschersleben beobachtete man, daß ein Wolkenbruch glatt aufgenommen wurde, ohne daß Überschwemmung und oberflächlicher Abfluß eintrat." Das Ausmaß der Verschiebung der einzelnen Bilanzposten wird bei jeder Grundwasserentnahme anders sein. Sie ist am geringsten, wenn die Grundwasseroberfläche im abgesenkten Teil des Einzugsgebietes schon vor der Entnahme tiefer als die Eindringtiefe der Pflanzenwurzeln lag. Dennoch wird der Vorgang in kaum einem Falle gänzlich ausbleiben, da die Grundwasseroberfläche eines jeden Grundgewässers zumindest in der Nähe des Vorfluters nahe an die Erdoberfläche herantritt.