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Die stratigraphische Bedeutung der oberdevonischen Ostracoden

Rabien, Arnold

Kurzfassung

Einleitung Seit über 100 Jahren ist bekannt, daß bestimmte Horizonte des Rheinischen und Thüringischen Schiefergebirges durch eine individuenreiche Ostracoden-Fauna charakterisiert werden. GUIDO SANDBEBGER (1842) hielt diese Ostracoden für Arten der Gattung Cytherina und führte daher für die betreffenden Schichten den Namen "Cytherinen-Schiefer" ein. Später (1845) wies er sie der Gattung Cypridina zu, so daß sich besonders durch das Standardwerk der Gebrüder SANDBERGER (G. & F. SANDBERGER 1856, S. 509) die Bezeichnung Cypridinen-Schiefer allgemein in der Literatur einbürgerte und bis zum heutigen Tage erhalten hat. Von verschiedenen Autoren wurde seitdem eine Reihe von Arten beschrieben, deren taxionomische Zuordnung und stratigraphische Bedeutung im Laufe der Zeiten erheblich schwankte. Wenn auch heute keine oberdevonische Art mehr der Gattung Cypridina zugewiesen werden kann und es daher richtiger wäre, von Entomiden- oder allgemein von Ostracoden-Schiefern zu sprechen, so möge trotzdem der seit einem Jahrhundert gebräuchliche Name Cypridinen-Schiefer beibehalten werden; es muß aber betont werden, daß mit dieser Bezeichnung nur eine besondere Fazies, nicht aber ein bestimmter Horizont des Oberdevons gekennzeichnet werden darf. Zu allen Zeiten des Oberdevons war die Ausbildung von Cypridinen-Schiefern möglich, sofern es die paläogeographische Situation erlaubte. MATERN (1929) war der erste, der eine zusammenfassende Darstellung der oberdevonischen Ostracoden gab und hierdurch ihre große stratigraphische Bedeutung herausstellte. Seine Ergebnisse konnten mit Erfolg bei verschiedenen Arbeiten im Rheinischen Schiefergebirge angewandt werden (PAECKELMANN, REICH, KEGEL, WEBER, MEMPEL). Den zweiten wesentlichen stratigraphischen Fortschritt verdanken wir den gründlichen Untersuchungen von VOLK (1939) im Thüringischen Schiefergebirge.