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Die tektonische Deformation der Fossilien im Rheinischen Schiefergebirge

Breddin, Hans

Kurzfassung

Einleitung Man weiß seit langem, daß ein großer Teil der Fossilien, die im rheinischen Devon und Karbon auftreten, tektonisch verformt ist. In der Literatur sind tektonisch deformierte Versteinerungen häufig abgebildet; in den Sammlungen braucht man nicht lange nach ihnen zu suchen. In der Paläontologie erfreuen sich diese "verzerrten" oder "verdrückten" Fossilien meist keiner besonderen Wertschätzung. Dem Geologen aber ist mit den tektonisch verformten Versteinerungen ein Hilfsmittel in die Hand gegeben, das ihn vor allem auf dem Gebiete der allgemeinen und regionalen Tektonik zu wertvollen Erkenntnissen führen kann. Eine knappe, aber treffende Darstellung der tektonischen Fossildeformation gibt bereits E. KAYSER (1921, S. 266 u. 268). KAYSER wie auch den älteren Bearbeitern ist der Zusammenhang der tektonischen Deformation der Fossilien mit der Transversalverschieferung bereits eindeutig klar gewesen. KAYSER macht auch bereits ganz bestimmte Aussagen über die Zusammenhänge zwischen Fossilverformung und Schieferung, wenn er (1921, S. 266) schreibt, daß "alle in solchen Gesteinen erhaltenen, noch erkennbaren Versteinerungen quer zur Schieferung zusammengedrückt, in der Schieferungsebene aber ausgewalzt und gestreckt" sind, Aussagen, die sich in vollem Umfange bestätigt haben. Ein Versuch, aus der Deformation der Fossilien nähere Schlüsse auf die Art, insbesondere aber auch auf das Ausmaß der bei der Schieferung stattgefundenen Gesteinsdeformation zu ziehen, wurde bereits (1931) vom Verfasser unternommen. Daß dieser Aufsatz wenig beachtet wurde, und das Thema dann lange Jahre brach liegen blieb, mag vor allem damit zusammenhängen, daß sich um diese Zeit Schulen entwickelten, die das tektonische Denken in Bahnen lenkten, die an der Deformation der Fossilien vorbeiführten. Erst viel später ist eine Bonner Doktorarbeit von HELLMERS (1950) über die tektonische Deformation von Crinoidenstielgliedern erschienen, in der viele gute und sorgfältige Messungen und Beobachtungen enthalten sind, die räumlich-geometrische und mathematische Auswertung jedoch nicht bis zum Ende geführt ist.