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Zum Problem der tektonischen Verformung der Fossilien im Rheinischen Schiefergebirge (Diskussionsbemerkung zu einem Vortrag von H. BREDDIN)

Engels, B.

Kurzfassung

Auf Grund verformter Fossilien schlußfolgert BREDDIN eine entsprechende quantitative Längs- und Hoch-Dehnung im Paläozoikum des Rheinischen Schiefergebirges. Selbstverständlich ist das Beobachten, Feststellen und Vermessen der tatsächlichen Verformungen wissenschaftlich von großem Wert, so daß solche Untersuchungen unbedingt zu begrüßen sind. Dagegen bestehen m. E. erhebliche Bedenken sowohl hinsichtlich des von BREDDIN zugrunde gelegten Verformungsvorganges als auch der oben angedeuteten Schlußfolgerungen. Die Verformungsvorgänge dürften wesentlich komplizierter sein als BREDDIN offenbar (gemäß seinen Ausführungen) voraussetzt, so daß sie bei näherer Betrachtung als Basis für jene weitreichenden Schlußfolgerungen sehr fragwürdig erscheinen. So erschweren beispielsweise folgende Umstände m. E. eine quantitative Auswertung der verformten Fossilien: 1. Häufig liegen schon auf engstem Raum - z. B. im Handstückbereich - neben verformten auch unverformte Fossilien. Offensichtlich hängen Größe und Richtung der Deformation u. a. weitgehend von den örtlichen petrographischen und tektonischen Gegebenheiten ab. Die Abhängigkeit von der Gesteinsart kommt z. B. in der Tatsache zum Ausdruck, daß die Verformung in Tonschiefer meist wesentlich verschieden ist von einer solchen in Grauwacke oder Quarzit; in Kieselgallen sind die Fossilien häufig kaum verdrückt, während sie in der unmittelbaren Umgebung besonders stark deformiert erscheinen; usw. Die tektonische Beanspruchung in Falten-Scharnieren ist anders als auf den Falten-Schenkeln; auch die verschiedenen Faltenschenkel sind oft unterschiedlich beansprucht, desgleichen normal oder invers liegende Schichten; usw. 2. Die größte Streckung der Fossilien fällt nicht immer mit der Schnittkante zwischen Schichtung und sichtbarer Schieferung - der Kreuzlinie BREDDINS - zusammen, weil anscheinend noch anders gerichtete und völlig überprägte "Schieferungen" oder auch nachträgliche "Schubklüftung" und dergleichen eine entsprechende Verformung hervorgerufen haben.