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Gangspaltenbildung als Bebenursache? Ein Beitrag zur Tektonik der Ramsbecker Erzgänge

Schenk, E.

Kurzfassung

Vorbemerkung Die nachfolgende Untersuchung behandelt Wellungen auf Gleitflächen, deren Wellenlängen und Amplituden definierbare Beziehungen zu den geologisch-tektonischen Gegebenheiten aufweisen. Ob diese Beziehungen als Voraussetzung für eine mathematisch-physikalische Behandlung des Problems der Deformationsgeschwindigkeiten hinreichen, müßte der Physiker prüfen. Die folgenden Darlegungen möchten eine Anregung dazu geben. Einleitung Das nordöstliche Sauerland ist durch eine eigene, von der geologischen Nachbarschaft abweichende tektonische Gestaltung ausgezeichnet, wie die langjährigen Forschungen W. PAECKELMANNS ergeben haben. Die beherrschende bauliche Einheit ist der Ostsauerländer Hauptsattel. Seinen zentralen Teil nimmt das Ramsbecker Erzrevier ein. Die Erzgänge dieses Gebietes sind in dreifacher Hinsicht ungewöhnlich: erstens durch ihre außerordentlich flache Lagerung, zweitens durch ihr die Faltenrichtung sehr spitzwinklig kreuzendes Streichen sowie drittens durch ihre zum Teil auf starke Durchbewegung hinweisende innere Struktur. Sie gehören damit hinsichtlich ihrer Tektonik zu den merkwürdigsten und problematischsten Gängen. Mit den Erzgängen sind nahezu horizontal hegende Gleitflächen, d. h. sehr flache Schubbahnen vergesellschaftet (Abb. 1). Ihre Bildung sowie die der Erzgänge war ein bislang ungelöstes Problem. Ihr gemeinsames Auftreten in derselben tektonischen Einheit ist nicht zufällig, wie in einer anderen Arbeit ausführlich gezeigt wird (SCHENK 1956). Es beruht auf einer engen mechanischen Verknüpfung mit einem dritten Vorgang, dem einer zweiten Schieferung, der Schubklüftung oder Knickschieferung, die die Faltungsart und -mechanik des zentralen Ostsauerländer Hauptsattels in einer Phase der varistischen Faltung darstellt.