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Gedanken zur geosynklinal-tektonischen Nomenklatur

Kraus, E.

Kurzfassung

Während der letzten Jahrzehnte haben sich unsere Begriffe von den tektonischen Ereignissen in den Geosynklinalen, die man wohl mit Vorteil als "Orokinese" den tektonischen Vorgängen im Bereich der Kontinente, der "Epirokinese", gegenüberstellt, sehr bedeutsam gewandelt. Diese Veränderungen gingen wieder von unserem klassischen Alpen-Gebirge aus. Trotz mancherlei Abweichungen im einzelnen ließen sich die Grundzüge des orogenen Werdens auch in den anderen gut bekannten Gebirgen wiederfinden. Aber noch immer versucht man die geosynklinalen Vorgänge rein beschreibend zu ordnen. Noch immer ist dem Wandel der aus einer riesigen Zahl von Beobachtungen notwendig erwachsenen Einsicht nicht auch eine ihr angepaßte Nomenklatur gefolgt. Es sei nachfolgend versucht, zu einigen Grundbegriffen, wie "Gebirge", "Gebirgsbildung", "Geotektonische Einheit" und deren Bezeichnung, zu "Decke" und "Geosynklinale", als Grundlage einer genetischen Nomenklatur erläuternde Definitionen zu geben. 1. "Gebirge" Seit über einem Menschenalter wissen wir, daß entwicklungsgeschichtlich wie begrifflich zweierlei "Gebirge" unterschieden werden müssen. Für den Geologen als dem Erdgeschichtler ist "Gebirge" zunächst einmal eine Strukturform der Erdrinde. Erst im Verlauf seiner Entwicklung im Bereich einer Geosyklinale, und zwar erst während des Spätabschnittes dieser Vorgangsreihe, wölbt sich - (nach mehrfachen Vorläuferzeiten mit geringerer und kürzerdauernder Heraushebung) - der durch Faltung und Schub eingeengte Gebirgskörper zu jenem Relief empor, das wir als Hoch- oder Mittelgebirge im geographischen Sinn verstehen. Von anderen Gebirgsarten, den Schollen- und den vulkanischen Gebirgen, sehen wir hier ab. Sie sind zunächst reliefmäßig zu verstehen. Gebirgsbildung im geologischen Wortsinn, "Orogenese in der Geosynklinale", also "Orokinese", spielt sich in sehr vielen Zehnern von Jahrmillionen ab.