Original paper

Bau und Bewegung im mittleren Thüringer Variszikum (Frankenwälder Querzone)

Schwan, W.

Kurzfassung

Das Thüringisch-Fränkische Schiefergebirge ist ebenso wie der Harz und das Rheinische Schiefergebirge ein Teil des zu Tage liegenden deutschen Variszikums. Erzgebirgisches Generalstreichen als Ausdruck des SW-NO verlaufenden Faltenbaues wiegt im allgemeinen vor. Inmitten des Thüringer Variszikums aber besteht eine Zone, die sich abweichend von den erzgebirgischen Faltenstrukturen verhält, indem sie quer dazu verläuft. Ganze Formationen, nicht nur Störungen, streichen hier nordwestlich aus, wie schon die geologische Übersichtskarte von Thüringen von DEUBEL & MARTINI erkennen läßt. Diese herzynische Zone starker Heraushebung, die in der Literatur als "Frankenwälder Quersattel" bekannt ist, verläuft quer durch die Thüringer Hauptmulde und verbindet die an diese grenzenden beiden Thüringer Hauptsättel, den Schwarzburger Sattel im Nordwesten (früher Westthüringer Hauptsattel) und den Bergaer Sattel im Südosten (früher Ostthüringer Hauptsattel genannt) miteinander (Abb. 1). Was läßt sich heute über Art und Alter der herzynischen (= nordwestlichen) Gebirgsbildung im Frankenwald aussagen? Wie verhalten sich die Elemente des erzgebirgischen (= nordöstlichen) Faltenbaues (Falten, Schieferungsflächen, Klüfte) in diesem Raum? - Die Anregung zur Beschäftigung mit diesen Fragen verdanke ich Herrn Prof. H. STILLE. Die abweichend verlaufende Frankenwälder Querzone hatte schon die Aufmerksamkeit der älteren Geologen auf sich gezogen, die im Thüringer Gebirge mit LORETZ die zwei Hauptstreichrichtungen: erzgebirgisch und herzynisch, unterschieden, und später sprach man mit v. SEIDLITZ von einer Vergitterung tektonischer Achsen im Bauplan Thüringens. Die historische Entwicklung des Problems reicht bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts zurück, als LIEBE seit 1852 geologische Aufnahmearbeiten in Thüringen ausführte. Seitdem sind an 12 Deutungen über die Herausbildung des verwickelten Gebirgsbaues in der Frankenwälder Querzone entstanden, auf die an dieser Stelle aber nicht näher eingegangen werden kann. Nur die Hauptauffassungen seien angedeutet.