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Untersuchungen in der kalkalpinen Kreide Bayerns

Zeil, Werner

Kurzfassung

1. Problemstellung In den Bayerischen Kalkalpen liegt die Oberkreide transgressiv über einer mehr oder weniger konkordanten Schichtfolge, die von der tiefen Trias bis in die höhere Unterkreide reicht. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Gebiet der Bayerischen Kalkalpen durch eine Reihe von geologischen Spezialaufnahmen im Maßstab 1:25 000 genauer bekannt. Auf Grund dieser Aufnahmen ist heute ein ziemlich lückenloser Überblick über die Vorkommen transgressiver Kreide in den Alpen zwischen Iller und Traun möglich. Das Ergebnis der bis zum Jahre 1951 ausgeführten Arbeiten kann man im Hinblick auf diese Kreideserie in aller Kürze etwa folgendermaßen zusammenfassen: Gault findet sich nur an einigen Stellen in den Allgäuer Alpen, und zwar handelt es sich um tiefes Alb. Das gesamte Cenoman ist mit einer reichen Evertebratenfauna vertreten. Turon fehlt. Gault- und Turonzeit entsprechen im wesentlichen der vorcenomanen bzw. der vorgosauischen Gebirgsbildung. Im Coniac beginnt die Transgression der Gosauserie, die im betrachteten Raum nur im Inntal und an einigen Stellen der Ammergauer Alpen erhalten ist. Im westlichen Teil der Bayerischen Alpen konnte von KOCKEL, SCHMIDT-THOMÉ & CUSTODIS (1936, S. 187) gezeigt werden, daß präcenoman bereits Überschiebungen stattgefunden hatten (Vilser Decken). KOCKEL, RICHTER & STEINMANN (1931, S. 102) kommen bei ihren Untersuchungen in den Ammergauer Alpen zu dem Ergebnis, daß alle tektonischen Grundelemente der späteren Faltung vorcenoman bereits deutlich entwickelt seien. Im übrigen gehen die Ansichten über die Stärke und Intensität der präcenomanen Bewegungen bei den verschiedenen Autoren weit auseinander. Die oft mehrere 100 m mächtige sog. Cenomanserie wird aufgebaut von Peliten, Psammiten und Psephiten. In den meisten Teilgebieten ist es nicht möglich, eine sichere stratigraphische Zuordnung der einzelnen Gesteinsserien zu treffen, da z. B. die Konglomerate und Brekzien keineswegs immer auf die Basis beschränkt sind. In den Ammergauer Alpen scheiden KOCKEL, RICHTER & STEINMANN (1931, S. 104) auf Grund lithologischer Merkmale an einzelnen Stellen Gosau aus, im Wendelsteingebiet stellt OSSWALD (1928, S. 244) verschiedene Horizonte infolge ihrer Lagerung und Mächtigkeit ins Turon. "Exotische" Komponenten in den Psephiten einzelner Teilgebiete werden von sehr verschiedenen Bauelementen abgeleitet.