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Die ersten Fossilfunde im roten Perm von Lieth bei Elmshorn (Vorläufige Mitteilung)

Reiche, Fr.

Kurzfassung

Die roten Permschichten von Lieth bei Elmshorn (etwa 30 km NW Hamburg) gehören zu den ältesten bisher aus Nordwestdeutschland bekannten Sedimenten, die außer denen der Struktur von Stade, dem Langhorst von Heide i. Holst. und der Struktur Böxlund bekannt geworden sind. Diese seit 110 Jahren bekannten Schichten von Elmshom, deren Tonmergel schon im vorigen Jahrhundert zur Ziegelfabrikation abgebaut wurden, hatten trotz der zahlreichen Aufschlüsse bisher keine Fossilien geliefert. Die stratigraphische Einstufung dieser mächtigen Serie erfolgte auf Grund lithologischer und tektonischer Befunde. W. ERNST wies 1931 auf ein sandiges Rotliegendes im Liegenden des Bänderschiefers hin, den er aus faunistischen Gründen ins Oberrotliegende einstufte. Die auf mehrere qkm Ausdehnung hier vorkommenden roten Tonmergel hielt er nach Vergleichen mit dem mitteldeutschen Zechstein für ein Äquivalent der Zechsteinletten, allerdings ohne einen faunistischen Beweis dafür erbringen zu können. LOTZE deutete 1936 auf Grund der Tektonik die roten Liether Tonmergel als Oberrotliegendes und sah in ihnen ein Äquivalent der als Kungur betrachteten roten Purmallener Mergel. Die ersten Fossilfunde (das Material befindet sich in der Sammlung des Geologischen Staatsinstitutes Hamburg) in diesen Schichten wurden am Salzstock Elmshorn im Mai 1954 in der seit 1945 betriebenen dicht an der Bahnstrecke Hamburg-Kiel gelegenen Ziegeleigrube vom Verfasser gemacht. Es handelt sich um bisher 8 fossilführende Horizonte innerhalb einer etwa 3 m mächtigen Serie feingeschichteter lilaroter Tonmergel. Der Zusammenhang der Fundschichten mit den schichtungslosen Hangend- und Liegendschichten konnte nachgewiesen werden. Der dritte Horizont von unten (Hauptbank oder Leithorizont) lieferte fast alle Floren- und Faunenreste. Bei einer Mächtigkeit von nur 1 - maximal 4 cm ist der Fossilreichtum dieser Lage überraschend groß. Sie enthält massenhaft Ostracoden, zahlreiche kleine Gastropoden und Mytilus-artige, radialberippte Lamellibrachiaten sowie viele isolierte Ganoidschuppen, seltener auch Anthracosia-ähnliche Zweischaler. Die hier ebenfalls häufig vorkommenden Estherien treten zusammen mit Ostracoden auch in allen anderen Fossilhorizonten auf. Besonders bemerkenswert ist die schillartige oberste Lage dieser feinkörnigen Kalksandsteinbank, die auch noch Fische enthält, die nach frdl. Bestimmung durch Prof. ALDINGER, Stuttgart, Phanerosteon, Amblypterus und Ganolepis ähneln. Diese Lage geht aus dem Haupthorizont meist ohne deutliche Grenze hervor und fehlt an vielen Stellen des Aufschlusses ganz.