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Grabungsbericht über die Jungfernhöhle bei Tiefenellern (Lkr. Bamberg)

Kunkel, O.

Kurzfassung

Ein Schatzgräber hatte in dem kleinen Dolomitfelsloch nach einer Kiste voll Gold gewühlt. Glücklicherweise wurden Bamberger Altertums- und Geländeforscher darauf aufmerksam und entdeckten in dem Abraum eine erstaunliche Menge vorgeschichtlicher Tongefäßscherben und sonstiger Kulturrelikte, Tier- und Menschenknochen. Besonders reichlich und mit teilweise ungewöhnlich qualitätvollen Resten war die donauländische Linearbankkeramik jüngeren Stils vertreten. Von dieser ältesten agrarischen Zivilisation Mitteleuropas waren aus dem Jura bisher nur geringe Spuren bekannt. Denn begreiflicherweise bevorzugten die bandkeramischen Farmer fruchtbare Löß- und Schwarzerdeböden, auf denen die von ihnen verbreitete Wirtschaftsform im Osten erwachsen war. Auch die "westische" sog. Michelsberger Zivilisationsgruppe hatte an den Fundeinschlüssen neben jüngeren prähistorischen Epochen und noch dem Mittelalter erheblichen Anteil. Vor allem die neolithischen Probleme veranlaßten das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege zur abschließenden Untersuchung und völligen Ausräumung der Jungfernhöhle. Es erfreute sich dabei in jeder Hinsicht der unermüdlichen Mitarbeit und Hilfe vieler Bamberger Forschungsinteressenten. Das zu bewältigende Höhlenfüllsel betrug rund 90 cbm an humosen Bestandteilen und Deckenbruch nebst 3-5 cbm mehr oder minder trümmerhafter Zivilisationsabfälle. Es ergab sich, daß die Jungsteinzeitleute Tongeschirr, meist zerbrochen, Geräte aus Stein und Knochen, tierische und menschliche Reste, alles in bunter Mischung, durch die relativ kleine Öffnung in den Felsschlund geschüttet hatten, wo sich das Füllsel je nach Bodengefälle, Roll- und Rutschfähigkeit ausbreitete. An Hand der Knochen ließen sich 38 menschliche Individuen, fast nur Frauen und Kinder gewisser Altersstufen, nachweisen. Man gewann den Eindruck, daß sich bei der Jungfernhöhle rituelle Handlungen mit kannibalischem Einschlag abgespielt haben. Parallelfunde, antike Überlieferungssplitter und ethnologische Indizien machen wahrscheinlich, daß wir es in dem Felsloch mit den Überresten von Opfern bzw. Opfermahlzeiten im Dienste eines Fruchtbarkeitskultes zu tun haben. Ungefähr gleichzeitig mit diesen muß die vielumrätselte, meist klimatologisch erklärte Verödung der bandkeramischen Dörfer in den fruchtbaren Gäulandschaften begonnen haben. Möglicherweise hängt mit ihr das uns überraschende Erscheinen der Bandkeramiker auf dem Jura, vielleicht auch das intensiv magische Brauchtum bei der Jungfernhöhle zusammen.