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Über einige geologische Beobachtungen von allgemeinerem Interesse in Spanien

Lotze, Franz

Kurzfassung

1. Berichtet wurde zunächst über "synorogene Sedimente" in den Westpyrenäen. Es handelt sich dabei um mächtige, weit sich hinziehende subaquatische Rutschmassen ("Herpolithe") innerhalb der höchsten Oberkreide; sie werden mit der laramischen Gebirgsbildung in zeitlichen und ursächlichen Zusammenhang gebracht. 2. Berichtet wurde weiter über eigentümliche Erscheinungen an einem Salzdiapir in Navarra (Salzstock von Anoz). Aus ihnen ist zu schließen, daß im Kern des Salzstocks bereits während des Eozäns die Salzgesteine bis zur Erdoberfläche durchbrachen. Die Salzejektion war submarin und hinterließ deutliche Kennzeichen in den marinen Ablagerungen des Lutet. 3. Bei Daroca greifen grobe Schuttmassen kontinentalen Miozäns in Nischen unterhalb unterkambrischer Kalke weit ein. Hierdurch entsteht der Eindruck eines flachen Auflagers von Kambrium auf Miozän und das Bild einer Deckenüberschiebung. Die Deutung wird noch dadurch kompliziert, daß tatsächlich an der Basis des kambrischen Kalkes eine Überschiebung variszischen Alters verläuft. Die von Miozän gefüllten Nischen sind durch die Ausräumung dieser variszischen Überschiebungsmylonite entstanden. Bei der nachfolgenden kontinentalen Sedimentation wurden die Mylonite dann teilweise durch die miozänen Sedimente ersetzt. 4. Das Gebiet der westlichen Montes de Toledo wird von einer großen Ordoviz-Gotland-Mulde ("Mulde von Trasierra") durchzogen, die wegen ihrer ausgezeichneten Aufschlußverhältnisse und wegen des einfachen tektonischen Bildes für die Stratigraphie des zentralspanischen "Ordogot" von besonderer Bedeutung ist. Es ist die gesamte, etwa 1500 m mächtige Schichtfolge erschlossen, die vom Armorikanischen Quarzit (Arenig) über Schiefer und Sandsteine des Llandeilo, Sandsteine und Quarzite des Caradoc, Schiefer des Ashgill Quarzite des Unteren Llandovery, Graptolithenschiefer des Oberen Llandovery bis Unteren Ludlow bis zu den sandig-schiefrigen Ablagerungen der silurisch-devonischen Grenzschichten reicht. Es wird empfohlen, diese Abfolge als Richtschnitt für das zentralspanische Silur (Ordogot) herauszustellen.