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Neue arbeitsmethodische und regionale Ergebnisse zur saxonischen Tektonik (Subherzynes und Thüringer Becken)

Jubitz, Karl-Bernhard

Kurzfassung

Das Vortragsreferat gibt einen informatorischen Überblick über den derzeitigen Arbeitsstand der saxonischen Forschung im Subherzynen und Thüringer Becken und schließt thematisch im wesentlichen an die Ausführungen des Autors auf der Hauptversammlung der DGG in Tübingen 1953 (d. Zeitschr., Bd. 105, T. 2, S. 239) an. Weitere neue Vergleichsuntersuchungen (Subherzynes und Thüringer Becken) bestätigen das Vorherrschen kleintektonischer Dehnungsverformungen in weitspannigen, salinargebundenen Sattelzonen, während sich die erwarteten tangentialen Einengungsstrukturen nur vereinzelt an steilgestellten und verengten Sattelflügeln finden. Nach genetischen Gesichtspunkten lassen sich fernerhin jedoch auch tektonische Vertikalelemente ausscheiden, die oft Abschiebungen, d. h. Ausweitungs- bzw. Dehnungsstörungen vortäuschen, aber infolge örtlicher Beulung entstanden sind (Sättel bei Osnabrück, Huywald, Quedlinburger Sattel), indem einzelne Schollen während der Aufsattelung gegenüber ihrer Umgebung stärker vertikal emporgepreßt wurden. Insbesondere werden die Ergebnisse am Schollenbau des südöstlichen Huywaldes (Subherzynes Becken) dargestellt, wobei eine praktische Arbeitsmethode entwickelt wird, Schollenstrukturen des oberflächennahen Untergrundes unter günstigen Voraussetzungen an Hand der Verteilung pleistozäner Deckschichten abzugreifen (rasterförmiges Abbohren, Isopachysen-Darstellung der Deckschichten). Die Anwendbarkeit der kleintektonischen Arbeitsmethode zwecks Klärung des übergeordneten Bauplanes erfährt daher auf Grund der neuen Untersuchungen eine gewisse Einschränkung. Im Zusammenhang mit diesen Strukturuntersuchungen in Antiklinalzonen hat sich ergeben, daß die Randsprünge der hier mittels kombinierter feinstratigraphisch-kleintektonischer Arbeitsmethoden untersuchten Kleingräben bezüglich ihrer Sprunghöhe oft ungleichwertig sind; die Gräben sitzen als Y-Systeme größeren Störungszonen auf und sind Ausdruck von Schollenbewegungen ihrer begrenzenden Ufer. Zur Klärung kinematischer Fragen wird daher zukünftig weniger der Absenkungsbetrag der Grabenscholle selber, als die relative Verschiebung der benachbarten Uferschollen zu untersuchen sein (Beispiel: Leuchtenburg-Graben, nach TESCHKE 1955).