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Geologische Ursachen der Schäden in württembergischen Eisenbahntunneln

Steinegger, Helmut

Kurzfassung

Die Verwitterung in Tunnelbauten hat, obwohl sie in den Grundzügen mit der bei Hochbauten übereinstimmt, ein eigenes Gepräge. Diese Tatsache ist einmal durch die Eigenart des Bauwerkes, zum anderen durch die lokalen Verhältnisse bedingt. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang die enge Beziehung, die zwischen dem vom Tunnel durchörterten Gebirge und der Art und Stärke der Bausteinzerstörung besteht. Ferner der Einfluß der Mächtigkeit und tektonischen Beschaffenheit des überlagernden Gebirges, der Rauchgasentwicklung und der Eisbildung. Weiter ist der starke Luftzug, der häufig in Tunnelbauten auftritt, für die Verwitterung des Baumaterials von Bedeutung; durch diesen wird die Ausscheidung gelöster und für die Tunnelauskleidung schädlicher Stoffe beschleunigt. Die Bausteinverwitterung in den württembergischen Tunneln wird in der Hauptsache verursacht durch die Einwirkung von Wasser, Eis, Gipswässern und Gebirgsdruck. Die auftretenden Verwitterungsformen, wie Schalenbildungen, Absandungsfiguren und Ausbrüche des Mauerwerkes sind nicht unbedingt als spezifisch anzusprechen. So können verschiedene Ursachen unter Umständen zur Ausbildung der gleichen Verwitterungsform führen. Die eigentlichen Ursachen der Bausteinverwitterung lassen sich bei einem Tunnel nur sehr schwer erfassen. Es ist eine Vielzahl von Komponenten, die letzten Endes die Zerstörung und den Zerfall der Ausmauerung bedingen. Die Art und Weise, in der sich die Verwitterung äußert, wird nicht zuletzt vom Auskleidungsmaterial selbst bestimmt. Der Anteil an nicht widerstandsfähigen Stoffen am Aufbau des betreffenden Materials ist von entscheidender Bedeutung für die Intensität und Form der Bausteinzerstörung. Bei Natursteinen bestimmen ferner noch Struktur und Textur derselben den Charakter der Verwitterung. Der in zahlreichen württembergischen Tunneln zur Anwendung gelangte Stubensandstein hat sich als besonders ungeeignet erwiesen. Günstiger liegen die Verhältnisse dort, wo Schilf- und Buntsandsteine verwendet wurden. Beton, soweit er nicht mit Spezialzementen ausgeführt wird, unterliegt weitgehend dem Angriff von aggressiven Wässern. In einigen Tunneln zeigt die ungeschützte Sohle, d. h. die nicht durch ein Gewölbe geschützte Sohle, die Erscheinung, daß sie sich ohne sichtbare Ursache langsam zu heben beginnt.