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Eine stampische Kleinsäugerfauna aus der Grenzregion Schleichsand/Cyrenenmergel von Heimersheim bei Alzey (Rheinhessen)

Tobien, H.

Kurzfassung

Im Gegensatz zu den reichen aquitanischen Säugerfundstellen im Mainzer Becken (Weisenau, Budenheim, Heßler usw.) hat das Stampien bisher nur wenige Funde landbewohnender Mammalier geliefert (Apterodon, Praeaceratherium, Anthracotherium, Bachitherium, Lophiomeryx aus dem Meeressand und Cyrenenmergel, sowie einige Kleinsäuger aus dem Cyrenenmergel). Bei Kartierungsarbeiten auf Bl. Alzey fand Herr Dipl.-Geol. E. WALGER beim Ausschlämmen von Tonproben in den Übergangsschichten Schleichsand/Cyrenenmergel bei Heimersheim (2 km nw. Alzey) einige Knochenreste. Daraufhin erfolgte Entnahme von mehreren Zentnern Material, Ausschlämmen und Durchsuchen des Rückstandes ergab eine Kleinsäugerfauna, die in diesem Umfang für das Mainzer Becken neu ist. In ihr sind vorhanden: Peratherium, Insectivoren (Soricide, Erinaceide), Paracricetodon cadurcensis, sowie mindestens 4 weitere neue, z. T. sehr kleine Cricetodon-Spezies, Archaeomyinen (Taeniodus curvistriatus, Taeniodus n. sp. cf. avus, Archaeomys cf. laurillardi), Gliriden (Gliravus majori, sowie eine zu Peridyromys gehörige Spezies), Sciurus, kleiner als Sc. chalaniati. Die Kleinraubtiere sind durch einen Marder-Artigen (Plesictis), die Huftiere durch Caenotherium vertreten. Insgesamt sind bis jetzt mindestens 16 Kleinsäuger-Arten belegt, wobei Cricetodonten und Archaeomyinen nahezu die Hälfte aller Nagerzähne ausmachen. Dazu kommen noch Kieferreste, Wirbel und Hautverknöcherungen von Lacertiliern (Ophisaurus), Fischwirbel und Schlundzähne von Cyprinoiden. Die Materialien - meistens Einzelzähne, seltener Kieferfragmente sowie Knochenreste - sind in einer etwa 50 cm mächtigen Lage angereichert, die nach den Untersuchungen von WALGER möglicherweise den tiefsten Cyrenenmergellagen, sicher der Grenzregion Schleichsand/Cyrenenmergel, zuzurechnen ist. Die Knochen und Zähne sind vom nahen Festland her eingeschwemmt worden (der Pfälzer Sattel bildete hier eine nach NE vorspringende Halbinsel am Westrand des damaligen Sedimentationsbeckens), wobei in selektiver Weise - evtl. durch schwache Strömung bedingt - nur die kleineren und kleinsten Reste im Bereich der Fundstelle zur Ablagerung kamen. Darin besteht gewisse Ähnlichkeit mit Kleinsäugervorkommen in der schweizerischen und bayerischen Molasse.