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Die Entwicklung der subvariscischen Vortiefe und der Werdegang des Ruhrkarbons

Teichmüller, R.

Kurzfassung

Der vorliegende Aufsatz versucht - gewissermaßen als Einführung zu den folgenden Spezialarbeiten - einen Überblick über unsere derzeitigen Kenntnisse von der subvariscischen Vortiefe zu geben - von jener Senke also, die sich im jüngeren Namur und Westfal vor den variscischen Faltenketten erstreckte und in der sich das Ruhrkarbon zu einer Mächtigkeit von mehreren 1000 m solange anhäufte, bis auch diese Sedimente von der wandernden Faltung ergriffen und dem variscischen Faltenstrang angegliedert wurden. 1. Die Ausdehnung der Vortiefe und das Alter der Bewegungen An der Ruhr gewähren die großartigen Aufschlüsse, die hier der Kohlenbergbau im Laufe eines Jahrhunderts geschaffen hat, einen Einblick in das Steinkohlengebirge bis in Tiefen von maximal 1100 m. Wenn man die Grubenaufschlüsse beiderseits großer Querstörungen kombiniert, kann man sogar vereinzelt Profile bis in Tiefen von 1500-2000 m in allen Einzelheiten studieren. Einen noch tieferen, allerdings meist etwas verzerrten Einblick würde man erhalten, wenn man Querprofile durch das Ruhrkarbon gemäß dem Auf- und Abtauchen der Faltenachsen miteinander vereinigte. Außerhalb der Schachtbauzone war bis vor kurzem nur wenig vom Karbon der subvariscischen Vortiefe bekannt, wenn wir von den Aufschlüssen bei Winterswijk, Ibbenbüren und dem Piesberg bei Osnabrück absehen. Das ist nun in den letzten Jahren durch die Untersuchungsbohrungen der Erdölindustrie anders geworden. Wir wissen jetzt, daß sich das Steinkohlengebirge ununterbrochen von Aachen bis Amsterdam und von Hameln bis zum Dümmer See - also halbwegs zwischen Osnabrück und Bremen - unter einer Decke von 1000-3000 m mächtigen jüngeren Schichten erstreckt (s. Abb. 1). Die nördliche Verbreitungsgrenze des Karbons ist bislang noch in keiner Bohrung erfaßt worden. Auch hat man innerhalb des Karbontroges in Nordwestdeutschland und den Niederlanden noch niemals das Liegende des Karbons erbohrt, obwohl es im Kern des Krefelder Achsenscheitels wahrscheinlich gar nicht so tief liegt. Nur in den Bohrungen am Nordostrand des Brabanter Gewölbes ist der Untergrund der subvariscischen Vortiefe hier und da aufgeschlossen worden. Dort wird das Oberkarbon von marinem Unterkarbon und geringmächtigem Oberdevon unterlagert. Diese Schichten liegen ihrerseits auf gefaltetem Kambrosilur.