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Die marinen Sonderhorizonte unter Flöz Mausegatt (Unteres Westfal A) im Ruhrgebiet (Ihre Bedeutung für die Sediment- und Faunen-Zyklen des Oberkarbons nach neuen Funden und Untersuchungen des von CARL SCHMIDT (1924) zuerst bekannt gemachten Vorkommens)

Jessen, Werner

Kurzfassung

Wie kürzlich bekanntgegeben (JESSEN 1955), ist das Ruhrkarbon offensichtlich aus Cyclothem-Paaren aufgebaut. Die Cyclotheme sind durchschnittlich 8-10 m mächtig. Die Zyklizitäts-Regeln des Ruhrkarbons stimmen weitgehend mit den Feststellungen überein, die im Oberkarbon Nordamerikas und Westeuropas seit 1930 von WELLER, MOORE, WANLESS & SHEPARD, TRUEMAN, EDWARDS & STUBBLEFIELD, VAN LECKWIJCK, VAN DER HEIDE u. a. getroffen wurden, zu denen in Deutschland die einschlägigen Arbeiten von FIEGE, GRIBNITZ, SCHLEICHER, FIEBIG, SCHAUB, SCHONEFELD hinzukommen. Zwei Hauptfaktoren wirkten m. E. bei der Sedimentation des paralischen Oberkarbons zusammen: 1. Die endogen-epirogenetische Saumtiefensenkung. Sie bewirkte, daß nahezu pausenlos sedimentiert werden konnte. Sie nahm vom älteren zum jüngeren Ruhrkarbon allmählich an Geschwindigkeit ab. 2. Zyklisch kurzfristig auf und ab schwingende Wasserspiegelschwankungen von der Zeitdauer weniger Jahrzehntausende bewirkten die Unterteilung von rd. 3000 m Ruhrkarbon in etwa 300-400 paarweise angeordnete Cyclotheme. Diese sind im idealen Fall von unten nach oben rhythmisch aus 1. Wurzelboden, 2. Flöz, 3. unten "reinen" (milden), nach oben sandigeren (= rauheren) bis sandstreifigen Schiefertonen und abschließend 4. aus Sandstein aufgebaut. Rund 15 Cyclothem-Paare (= 30 Cyclotheme) bildeten ein Megacyclothem. Großzyklische Wasserspiegelschwankungen bewirkten an den Megacyclothem-Grenzen meist Sandstein-Massierungen. Das sind aber nur die Grund regeln, von denen es, wie Verf. immer wieder betonte, infolge des ständigen Kampfes zwischen Land und Meer in verschiedenen Cyclothemen, aber auch in ein und demselben zahlreiche fazielle Abweichungen sowie innerhalb gewisser Grenzen auch Mächtigkeitsschwankungen geben muß. Von diesen - als 3. sedimentologischen Komplex anzusehenden - Störfaktoren werden die Faunen, die uns allein Auskunft über das jeweilige Bildungsmedium der Sedimente Auskunft geben können, naturnotwendig erst recht betroffen.