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Veränderungen des Inkohlungsgrades der Ruhrkohlen mit dem stratigraphischen Alter, der Teufe sowie der tektonischen Lage

Patteisky, Karl

Kurzfassung

1. Die Ermittlung des Inkohlungsgrades auf Vitrit-Grundlage a) Aufbau des Vitrits Die Hauptmasse des Vitrits (= Reinglanzkohle) besteht im Namur, Westfal A und unteren Teil des Westfal B aus den Abbauprodukten der Rinde von Lepidophyten, vor allem von Lepidodendren und Sigillarien. Von der oberen Hälfte des Westfal B angefangen gibt es vereinzelt Flöze, in welchen die Lepidophytenreste gegenüber den inkohlten Stammhölzern von Cordaiten zurücktreten. Der Anteil der Calamiten, Farne, Farnsamer und anderer Pflanzen am Vitrit der Karbonkohlen ist gering. Zur Beurteilung des Grades der Einheitlichkeit des Reinglanzkohlenmateriales ist es deshalb vor allem wichtig, den Aufbau des Lepidophyten- und des Cordaiten-Vitrits zu kennen (Taf. 9). Der Lepidophyten-Vitrit baut sich zum weitaus überwiegenden Teil aus Bindengewebe auf (s. Tafel 9, Fig. 1), dessen maschenförmige Zellräume von einer dunklen Zellausführung eingenommen sind. Diese Zellsubstanz wurde bisher als ein Abbauprodukt von Harzen angesehen und als Resinit beschrieben. Nach der botanischen Stellung der Bärlappgewächse können aber die Lepidophyten kein Harz gebildet haben, so daß diese Deutung aufgegeben werden muß. Es ist anzunehmen, daß die Zellräume durch eine kolloidale Ausscheidung von Humusstoffen ausgefüllt sind. - An diese Rindenbildungen schließt sich gegen das durch Vermoderung ausgehöhlte Innere der Lepidophyten-Stämme nur ein schmaler, aus Holzzellen bestehender Streifen an (Fig. 2). Der Vitrit-Ring der Lepidophyten besteht aus 2-8 mm breiten Bändern von Reinglanzkohle (Fig. 3); nur dort, wo die älteren Stämme zur Wurzel ansetzen, sind sie um einige mm stärker. Anders aufgebaut ist der Cordaiten-Vitrit. Die Cordaiten stellen die Vorläufer der Nadelhölzer vor und könnten in ihrem Stammholz Harze enthalten haben, wenngleich Harzausfüllungen bisher in den Mikrobildern nicht mit Sicherheit festgestellt worden sind. Fig. 4 zeigt den Aufbau der Holzzellen von Cordaiten-Vitrit, welche senkrecht zur Flözebene zusammengedrückt sind. Die offengebliebenen, sodann mit Humusgel ausgefüllten Zellräume sind viel kleiner als bei den Rindenzellen des Lepidophyten-Vitrits.