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Mechanische Probleme bei der Auffaltung der subvariszischen Vortiefe

Kienow, Sigismund

Kurzfassung

1. Die Bedeutung der West-Ost-Richtungen im Ruhrgebiet Das Verständnis für den komplizierten Faltenbau im Ruhrgebiet wird erleichtert, wenn man die bisher wenig beachteten W-E-Richtungen in die Betrachtung einbezieht. Sie spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Verbindet man nämlich gewisse Formationsvorkommen im Sauerland und im Ruhrgebiet im großen ohne Rücksicht auf ihr lokales Streichen miteinander, so erhält man eine Folge von auffällig W-E-verlaufenden Linien. Es sind dies im Süden die Siluraufbrüche des Remscheider und Ebbesattels und weiter nördlich die Devon-Karbon-Grenze im Bereich des Velberter, Altenaer, Warsteiner und Briloner Sattels, mit der westlichen Verlängerung zum Krefelder Gewölbe (s. Abb. 1). Weiter nördlich wird ebenfalls die variszische Streichrichtung der Grenze Flözleeres gegen Magerkohle und der Grenze Westfal B1/B2 durch das axiale Abtauchen der Faltenachsen (s. unten) "korrigiert", so daß z. B. die südlichen Ausbisse des Westfal B in der Lippe-, Emscher und Essener Mulde auf einer W-E-Linie liegen. Das gleiche trifft zu für die Südausbisse des Westfal C der Lippe- und Emscher-Mulde. Daß die W-E-Richtung auch im tieferen Untergrund eine Bedeutung besitzt, ergibt sich aus dem Isogammenverlauf der Geophysikalischen Reichsaufnahme. Gerade in dem soeben betrachteten Gebiet verlaufen die Isogammen westöstlich, während sich weiter nördlich wieder die SW-NE-Richtung durchsetzt. Auch sei nicht vergessen, daß der heutige Kreiderand W-E verläuft und die Kreideschichten W-E streichen. Schließlich sei auf die SIEBERGsche Karte der seismischen Schüttergebiete in Norddeutschland verwiesen, die gleichfalls eine ausgeprägte W-E-Struktur zwischen Bochum und Lippstadt zeigt.