Original paper

Zur tektonischen Analyse der mitgefalteten Oberschiebungen im niederrheinisch-westfälischen Steinkohlengebirge

Scholz, Josef

Kurzfassung

Einleitung Die Untersuchung der mitgefalteten Überschiebungsbahnen, die im Ruhrgebiet meist als mitgefaltete "Wechsel" bezeichnet werden, beschränkte sich bisher im Ruhrkarbon im wesentlichen auf die Anschauung der Querprofile als a-c-Schnitte im Sinne SANDERS und der Sohlengrundrisse als waagerechter Schnitte. Die Erfahrung hat jedoch gelehrt, daß die Entstehung der großen Wechsel allein aus der Anschauung der genannten Schnitte nicht eindeutig abzuleiten ist. Es kann daher nicht überraschen, wenn mehrere, teils einander ergänzende, teils einander ausschließende Deutungen ersonnen worden sind. Insbesondere wurde jüngst von STAHL (1949, 1955) und von SEIDEL (1952-1954) die Ansicht vertreten, die mitgefalteten "Wechsel der ersten Folge" im Sinne von OBERSTE-BRINK (1942) seien erst während der Faltung entstanden, wohingegen CREMER (1894) gemeint hatte, daß die großen Wechsel bereits vor der Faltung als flach nach Süden einfallende Scherflächen aufgerissen waren. Da m. E. keine der bisherigen Deutungen alle aufgeschlossenen Faltungsbilder von Wechseln der ersten Folge widerspruchsfrei zu erklären vermag, wurde in der vorliegenden Arbeit versucht, im Anschluß an NEHM (1930) und SANDER (1930) einige neue Hilfsmittel der analytischen Tektonik zu entwickeln, die eine Einordnung der großen Wechsel in den Verformungsgang des niederrheinischwestfälischen Karbons gestatten und zugleich zu einer Analyse der bisher kaum beachteten wechselgebundenen disharmonischen Faltung führen. Vorher seien jedoch noch die von STAHL und von SEIDEL gegebenen Deutungen einer Analyse unterzogen.