Original paper

Die Satanella- oder Hattinger Oberschiebung im Rahmen der Tektonik des südlichen Ruhrkarbons

Michelau, P.

Kurzfassung

Die Hauptsättel des Ruhrkarbons werden auf ihren Südflügeln von südfallenden Überschiebungen begleitet. Die bekanntesten sind die Gelsenkirchener Überschiebung am gleichnamigen Sattel, der Sutan am Wattenscheider Sattel und die Satanella am Stockumer Sattel. Der Sutan läßt sich von Kettwig bis nach Hamm und die Satanella von Hattingen bis in den gleichen Raum verfolgen. Ähnliche Ausdehnung dürften auch die anderen großen Überschiebungen haben. Die Störungen sind vermutlich im Anfangsstadium der Faltung aufgerissen und zum Teil während des Fortschreitens der Faltung mit in diese einbezogen worden. Im Kartenbild gleichen sie den peitschenförmig geschwungenen Enden großer Schuppen, nicht aber Deckenüberschiebungen von alpinem Ausmaß. Die Überschiebungsbeträge sind mit maximal 1,5 km nur sehr klein; auch fallen die Überschiebungen nicht mit Faziesgrenzen wie oft in den Alpen zusammen. Der Verlauf dieser Überschiebungen ist im zentralen Teil des Ruhrgebietes relativ gut bekannt, während ihm am Südrande dieses Raumes mancherorts noch Unsicherheiten anhaften. So ist z. B. der Ausbiß der Satanella südwestlich von Hattingen noch umstritten. Einige Autoren legen diese Störung auf den Südflügel, andere in den Kern oder sogar auf den Nordflügel des Stockumer Sattels. Weder paläontologische noch petrographische Untersuchungen haben bis jetzt - trotz vieler Einzelerfolge auch in diesem Raum - zu einer sicheren, stratigraphischen Deutung der Schichten in der strittigen Zone geführt, da große zusammenhängende Aufschlüsse über- und untertage fehlen. Vielleicht hilft hier aber folgende Überlegung weiter: Betrachtet man den Verlauf einer Überschiebung in einem Profil, so ergibt sich, daß die Überschiebung mit zunehmender Teufe sich mehr und mehr in Richtung ihres Einfallens von dem vorgelagerten Sattel entfernt und im Grundriß Sattellinie und Überschiebung bei horizontal liegender Sattelachse im gleichen Abstand nebeneinander herlaufen. Hebt sich die Sattelachse, so laufen die beiden Linien auseinander, senkt sie sich, so laufen sie zusammen.